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Eine schlechte Körperhaltung einfach wegtrainieren

Eine schlechte Körperhaltung einfach wegtrainieren

Meist ist eine schlechte Körperhaltung leicht zu erkennen: Die Schultern hängen nach vorn, der obere Rücken ist auffällig gerundet, der Kopf steht vor, das Hohlkreuz ist stark ausgeprägt, die Wirbelsäule ist seitlich verkrümmt.

 Biathlet, 12 Jahre alt, Training dreimal pro Woche. Sowohl das Foto als auch der Rückenscan zeigen, dass der Rumpf nach links verkippt ist. Die Schulter links steht sichtbar tiefer. Ursache ist vermutlich die typische Körperhaltung beim Schießen. Dabei ist die linke Körperhälfte nach vorn gedreht, die linke Hand stützt das Gewehr. Bilder: Kid-Check
Biathlet, 12 Jahre alt, Training dreimal pro Woche. Sowohl das Foto als auch der Rückenscan zeigen, dass der Rumpf nach links verkippt ist. Die Schulter links steht sichtbar tiefer. Ursache ist vermutlich die typische Körperhaltung beim Schießen. Dabei ist die linke Körperhälfte nach vorn gedreht, die linke Hand stützt das Gewehr. Bilder: Kid-Check
Eine schlechte Körperhaltung einfach wegtrainieren
Eine schlechte Körperhaltung einfach wegtrainieren

55 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben eine dauerhaft schlechte Körperhaltung. Die Ursachen für solche Haltungsschwächen können Bewegungsmangel, aber auch einseitiges Training sein. In der Regel sind die Muskeln zu schwach und zu schlecht gedehnt, um den Körper vollständig aufrichten und gerade halten zu können. Häufig kommt noch ein Mangel an Körpergefühl dazu. "Den Kindern gelingt es dann nicht, ihre Muskulatur gezielt anzusteuern und zu aktivieren", sagt Dr. Oliver Ludwig. Er ist der wissenschaftliche Leiter des Kid-Check, eines Projekts der Universität des Saarlandes , bei dem Wissenschaftler und Ärzte seit 15 Jahren die Ursachen von Haltungsschwächen und -schäden bei Kindern und Jugendlichen erforschen.

Inzwischen haben mehrere Kid-Check-Studien gezeigt, dass auch junge Sportler oft von Haltungsschwächen betroffen sind. Sie leiden dadurch nicht selten unter Rückenschmerzen, Knieschmerzen, Schulterschmerzen, Nackenschmerzen und sogar Kopfschmerzen. "Das rührt meist von der ungleichmäßig ausgeprägten, verspannten Muskulatur her", erläutert Oliver Ludwig. Wissenschaftler sprechen von muskulärer Dysbalance.

Das Problem taucht regelmäßig in Sportarten auf, in denen eine Körperseite in Training und Wettkampf stärker beansprucht wird als die andere - beispielsweise bei Fußball- und Handballspielern, im Tennis und Badminton, bei Kugelstoßern und Speerwerfern und auch Judokämpfern, die einseitige Wurftechniken bevorzugen. Durch die Einseitigkeit wird die entsprechende Körperhälfte besser trainiert. Eine muskuläre Dysbalance im Rücken - eine Hälfte ist stärker als die andere - kann zu Verkrümmungen und Verdrehungen der Wirbelsäule führen.

Die Experten des Kid-Check untersuchen die Mädchen und Jungen auch mit einem 3-D-Rückenscanner. Dabei tastet ein Infrarotlaser von hinten millimetergenau den Rücken der Kinder und Jugendlichen ab. Auf dem Computerbildschirm erscheint ein dreidimensionales Bild. "So können wir zum Beispiel kaum sichtbare Verkrümmungen und Verdrehungen der Wirbelsäule sowie im Bereich der Schultern und des Beckens erkennen", erläutert Oliver Ludwig. Selbst die Stärke eines Hohlkreuzes kann exakt ermittelt werden.

Auch Kinder, die ein Instrument spielen, weisen häufiger Haltungsschwächen auf. Bei einem 16 Jahre alten Geigenspieler zum Beispiel stellten die Kid-Check-Experten fest, dass seine rechte Schulter deutlich tiefer als die linke steht. Wahrscheinlich ist diese Dysbalance auf die typische Körperhaltung beim Geigenspielen zurückzuführen. Das Instrument wird auf der linken Schulter abgelegt, die dabei womöglich unbewusst hochgezogen wird und verspannt. Auf Dauer kann sich die gesamte Körperstatik verziehen.

Haltungsschwächen, die auf eine untrainierte, eine einseitig trainierte und schlecht gedehnte Muskulatur zurückzuführen sind, lassen sich allerdings mit gezielten Übungen in aller Regel wegtrainieren. Dazu muss erst die schwächere Körperseite durch gezieltes Krafttraining gestärkt werden. Erst wenn beide Körperhälften wieder ausgeglichen sind, ist ein normales beidseitiges Krafttraining sinnvoll. Da vielen Kindern auch das Gefühl für den eigenen Körper fehlt, müssen sie in einer entsprechenden Therapie oder einem speziellen Training lernen, ihren Körper besser wahrzunehmen und ihre Muskeln bewusst anzusteuern. "Werden Haltungsschwächen nicht behandelt, können sie sich zu irreversiblen Haltungsschäden verfestigen", sagt Ludwig.

Bei einem Krafttraining für Kinder und Jugendliche sollte zunächst hauptsächlich die Rumpfmuskulatur gekräftigt werden. Ein stabiler Rumpf ist im Alltag, vor allem aber im Sport von größter Bedeutung. Starke Rumpfmuskeln (Bauch, Rücken, Schulter, Nacken) stabilisieren und schützen die Wirbelsäule, sind aber auch als stabiles Widerlager wichtig, damit man Arme und Beine kraftvoll einsetzen kann. Die großflächigen Rumpfmuskeln tragen zudem wesentlich dazu bei, die Stöße, die beim Gehen, Laufen und Springen auftreten, zu dämpfen. Dadurch wird auch das Gehirn als sensibelstes Organ unseres Körpers geschützt.

Nur ein stabiler Rumpf ermöglicht geschmeidige und zielgerichtete Bewegungen. Bleibt der Oberkörper lasch, dann wird zum Beispiel ein Schuss beim Fußball unpräzise, denn im Moment des Abschusses knickt der schwache Oberkörper in der Hüfte unkontrolliert ein.