Ein Bad im Wald wirkt gegen Stress, Angst und Wut

Beauty : Ein Bad im Wald wirkt gegen Stress, Angst und Wut

() Der japanische Begriff Shinrin-yoku kann mit Waldbaden übersetzt werden. Im Land der aufgehenden Sonne gilt der Aufenthalt in der Natur als anerkannte Stress-Management-Methode. Seit 2012 gibt es an japanischen Universitäten den Forschungszweig Waldmedizin.

„Wissenschaftler haben mittlerweile anhand verschiedener Studien entdeckt, dass der Aufenthalt im Wald wie eine Art Aromatherapie wirkt, die für die Gesundheit förderlich ist“, berichtet Ina Schmidt, die die Internetseite www.waldbaden.org initiiert hat. Durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume in die Luft abgeben, würden das Immunsystem gestärkt, Angstzustände, Depressionen und Wut verringert, Stresshormone abgebaut und die Vitalität gesteigert.

Die ausgebildete Natur- und Wildnispädagogin bietet Waldbaden-Grundkurse zur Burnout-Prävention an. Das seien keine reinen Wanderführungen, Pflanzen- oder Pilzexkursionen oder gar Überlebenstrainings, betont Schmidt.

Viel mehr gehe es um Entschleunigung, Achtsamkeit sowie die bewusste Begegnung mit sich selbst und dem Wald. „Waldbaden kann uns zu frischen Ideen und mehr Lebensfreude führen“, ist sie überzeugt.

Der Deutsche Wellnessverband (DWV) bestätigt, dass die japanische Naturbewegung auch hierzulande Anhänger gefunden hat: „Waldstücke wurden bereits im Zuge der Trendwelle zu Kur- und Heilwäldern geadelt, Waldwege in Waldbadepfade umbenannt.“ Doch es spreche vieles dafür, dass es nicht allein der Aufenthalt im Wald ist, der das Wohlbefinden steigert, sondern das „Naturerlebnis schlechthin“. Das belege unter anderem eine im Juni 2019 veröffentlichte Studie der britischen Universität Exeter. Darin wurde festgestellt, „dass bereits zwei Stunden jeglicher Art von Naturaufenthalt pro Woche nicht nur ausreichend, sondern auch optimal sind, um das wahrgenommene gesundheitliche Wohlbefinden nennenswert zu steigern“.

Der DWV vermutet, dass es mehr die psychologischen Effekte sind, die dem Wald seine Wirkkräfte auf uns Menschen verleihen. Oftmals seien es die schönen Erinnerungen an die Kindheit, das Spielen, Suchen, Sammeln im Wald, die unbeschwerte, selbstvergessene Zeit oder der entspannte Sonntagsspaziergang. Die „ambitionierte Waldbader-Gemeinde von heute“ begnüge sich allerdings nicht mehr nur mit bloßem Herumlaufen zwischen Bäumen. „Sie sind um multisensorische Achtsamkeit bemüht. Mit allen Sinnen das Gegenwärtige erfassen, ohne es zu bewerten und sich daran zu ereifern“, berichtet der DWV. Ein paar meditative Yoga-Stellungen und Atemübungen ließen sich da gut einbeziehen – und gelegentlich auch eine Baumumarmung.

Letzteres gilt hierzulande als vielzitiertes Esoterik-Klischee, die Idee klingt für viele absurd. Doch es dabei um die Wahrnehmung. Diese spielt beim Waldbaden eine zentrale Rolle. Die Entspannungspädagogin Annette Bernjus aus Hofheim-Lorsbach (Hessen) lädt dazu ein, den Wald mit allen Sinnen zu erfahren, innezuhalten, die Augen zu schließen, zu lauschen, zu fühlen und zu schmecken. Sie bildet Kursleiter für Waldbaden aus und informiert auf ihrer Internetseite www.waldbaden.com über das „achtsame, absichtslose Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes“.

Dabei sei besonders wichtig, sich sehr langsam fortzubewegen, um schlussendlich entschleunigt wieder im Alltag anzukommen.

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