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Die Schule beginnt zu früh, Klassenzimmer sind zu dunkel

Hamburg. Nicht allein die Sommerzeit macht vielen Menschen zu schaffen. Auch künstliches Licht spätabends und nachts sowie zu dunkle Räume am Tag bringen den natürlichen Wach-Schlaf-Rhythmus durcheinander.

(ml) "Durch zu viel künstliches Licht, wenn es draußen schon dunkel ist, geht das Zeitgefühl verloren, genau wie durch zu wenig helles Licht am Tag", erläutert der Neurobiologe Dr. Peter Spork, "der Stoffwechsel von Körper und Gehirn gerät aus dem Gleichgewicht." Betroffen sind auch Kinder und Jugendliche. "Die Schule beginnt zu früh, Klassenzimmer sind zu dunkel", sagt Spork.

Kinder sind Frühaufsteher. In der Pubertät jedoch werden sie zu wahren Nachteulen. "Aus biologischen Gründen gehören die inneren Uhren von 14- bis 21-Jährigen zu den spätesten in der Bevölkerung", erläutert Professor Till Roenneberg von der Uni München. Heranwachsende produzieren in der Pubertät verstärkt Sexualhormone, die den Schlafrhythmus verschieben, weil sie auch die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin verzögern. Früh ins Bett zu gehen, hilft nicht, weil der Einschlaf-Reiz erst spät in der Nacht kommt. Erst mit 20 bis 21 Jahren verschiebt sich die innere Uhr wieder nach und nach auf früher. Das bedeutet auch, dass die Schulzeiten zu früh liegen und die biologischen Bedürfnisse von Jugendlichen nicht berücksichtigen. "Bei einem späteren Schulbeginn würden Jugendliche besser lernen", sagt Roenneberg.

Professor Dr. Christoph Randler von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hat nachgewiesen, dass Spättypen schlechtere Abiturnoten als Frühtypen haben - die Differenz beträgt mindestens eine halbe Note. "Der Schulbeginn liegt für die Durchschnittsschüler schlichtweg zu früh", sagt auch Randler. "Das Ganze nimmt gesellschaftliche Dimensionen an, weil es die Abendtypen mit ihren schwächeren Abiturnoten an der Uni schwer haben, den angestrebten Studienplatz zu bekommen."