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Die Leber verfettet still und schmerzlos

Die Leber verfettet still und schmerzlos

Alkoholmissbrauch ist keineswegs die einzige Ursache einer Fettleber . Weniger als die Hälfte aller Fälle von Fettleber ist darauf zurückzuführen. Zwar können auch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente, eine starke Belastung mit Chemikalien, Schadstoffen und Viren sowie eine genetische Veranlagung eine Rolle spielen. Als wesentlicher Faktor gilt jedoch Überernährung. Zu viel Fett und Zucker machen dick.

Überschüssige Kalorien werden als Energiereserve nicht nur ins Fettgewebe eingelagert, sondern auch in die Leber . Und auch die anderen inneren Organe können verfetten. Man spricht vom Eingeweidefett, das sich im Bauchraum in und um die inneren Organe herum ansammelt. Entwickelt sich eine Fettleber auf diesem Wege, handelt es sich um eine nicht-alkoholischen Fettleber . Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien, Italien und Österreich, die in einem gemeinsamen Forschungsprojekt nach den Ursachen der nicht-alkoholischen Fettleber suchen, berichten, dass in Europa bereits 40 Prozent, weltweit sogar 50 Prozent der Menschheit von einer nicht-alkoholischen Fettleber betroffen sind. Für Deutschland werden Zahlen zwischen 25 und 30 Prozent genannt.

Obwohl die Fettleber meist Ältere betrifft, erkranken auch junge Menschen immer häufiger daran. Schätzungen zufolge hat eines von zehn Kindern eine Fettleber . "Etwa 4000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind von einer aggressiv fortschreitenden Verlaufsform bedroht", erklären Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie , Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

Auch bei schlanken Menschen, die sich wenig bewegen, können die Leber und die anderen inneren Organe verfetten. "15 Prozent der Schlanken trifft es", sagt Professor Dr. Nicolai Worm von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. "Die Entwicklung ist erschreckend", meint die Professorin Dr. Elke Roeb vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg. "Die Dunkelziffer der unerkannten Lebererkrankungen liegt bei rund 70 Prozent. Das zeigt, wie wichtig vor allem die Prävention von Übergewicht und Fettleibigkeit ist."

Noch ist nicht im Detail erforscht, wie sich eine Fettleber bildet. Es gibt Hinweise darauf, dass es die Fettzellen im Körper genetisch bedingt nicht schaffen, weitere Fetttröpfchen einzulagern. Oder Fettzellen sind schlecht mit Blut und Nervenzellen versorgt, weshalb sie sich entzünden und dann ebenfalls kein weiteres Fett mehr speichern können. Auffällig ist allerdings, dass die Zunahme der nicht-alkoholischen Fettleber in den vergangenen Jahren parallel zum Anstieg des Übergewichts und der Diabetes-Erkrankungen verlaufen ist. "Eine Fettleber entsteht auch bei Diabetes , bei Störungen des Stoffwechsels und Übergewicht ", bestätigt Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. Ärzte und Wissenschaftler sehen die Fettleber daher als Bestandteil des Metabolischen Syndroms. So wird die Häufung von Stoffwechselstörungen genannt, wozu auch Übergewicht , hoher Blutdruck sowie zu viel Fett und Zucker im Blut zählen. Das Metabolische Syndrom gilt als Vorstufe von Diabetes und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gicht.

Das viele Fett, das in den inneren Organen gar nicht vorgesehen ist, schüttet große Mengen von Hormonen aus. Diese Stoffe fördern Entzündungen, die schließlich die normalen Funktionen der Organe beeinträchtigen und zu unkontrolliertem Zellwachstum führen können. Aus der chronischen Leberentzündung (Fettleberhepatitis) kann sich eine Leberfibrose (Vermehrung des Bindegewebes) entwickeln, die eine Leberzirrhose (Vernarbung der Leber ) zur Folge haben kann. Die Hepatitis erhöht auch das Risiko, an Leberzellkrebs zu erkranken. "Bei einer Hepatitis kann ein Leberkrebs auch erwachsen, ohne dass sich zuvor eine Zirrhose entwickelt hat", sagt Manns.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie , Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten weist darauf hin, dass eine nicht-alkoholische Verfettung der Leber die Ursache für 20 Prozent der Fälle unheilbarer Leberzirrhosen ist - und ein zunehmend häufiger Grund für Lebertransplantationen. Schätzungsweise sind in Deutschland derzeit etwa eine Million Menschen an Leberzirrhose erkrankt.

Kaum jemand weiß jedoch von seiner Fettleber . Eine verfettete Leber oder Bauchspeicheldrüse tut nicht weh. Allenfalls treten allgemeine Befindlichkeitsstörungen wie große Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antriebsschwäche oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch auf. Darüber macht man sich meist keine wirklichen Sorgen, sodass die Fettleber weiterhin unerkannt und unbehandelt bleibt.

"Wenn solche Symptome auftreten, sind diese häufig schon Ausdruck einer Schädigung der Leber . Deshalb ist eine Kontrolle der Leber und eine Früherkennung der Erkrankung wichtig", betont Michael Manns, Direktor der Klinik für Gastroenterologie , Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Genau erkennen kann man die Verfettung der Leber und anderer Organe durch Kernspin-Aufnahmen. Die sind aber teuer. Doch auch eine Ultraschall-Untersuchung in Kombination mit der Messung des Taillenumfangs und einer Blutuntersuchung gibt Hinweise. Die Fettleber erscheint im Ultraschall deutlich heller als eine normale Leber . Die Diagnose einer Fettleberhepatitis, also der entzündeten Fettleber , ist nur durch eine Gewebeprobe (Biopsie) möglich.

 Als Bauchfett wird das Fett bezeichnet (hier gelblich), das sich in und um die inneren Organe herum ablagert. Bild: Imperial College
Als Bauchfett wird das Fett bezeichnet (hier gelblich), das sich in und um die inneren Organe herum ablagert. Bild: Imperial College

Noch existieren für eine nicht-alkoholische Fettleber kein klares Behandlungskonzept und keine spezielle Therapie mit Medikamenten. Eingesetzt werden Medikamente, die sich bei Diabetes , erhöhten Blutfetten und Hochdruck bewährt haben. Doch gegen eine Fettleber kann man meist erfolgreich ankämpfen: mit einem gesunden Lebensstil.