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Der Wunsch nach Selbstveredelung

Der Wunsch nach Selbstveredelung

Der Wunsch, attraktiver auszusehen, steigt an. Vielen reicht eine gute Hautpflege nicht mehr aus – sie suchen eine spezielle Klinik auf. Dort kommen unter anderem Laser, Hyaluronsäure und Nervengift zum Einsatz.

"Du siehst aber gut aus." Wer diesen Satz nach einer Schönheitsbehandlung hört, ist zufrieden. Dies ist deshalb auch das erklärte Ziel von Dr. Gerhard Sattler. Der Dermatologe gründete vor über 17 Jahren die Rosenpark-Klinik in Darmstadt . Mit dem Wunsch nach Veränderung wird er nahezu täglich konfrontiert. "Natürliche Schönheit in jedem Alter" lautet Sattlers Philosophie. Seine Patienten hätten den Wunsch, frischer und attraktiver zu wirken. "Es ist nicht mehr die Jagd nach den Falten", berichtet der Experte. Der Gesamteindruck soll optimiert werden - und zwar idealerweise so, dass das Umfeld, das nichts von der Behandlung weiß, positiv reagiert, etwa mit Zuspruch und Komplimenten.

"Gut auszusehen, hat nichts mit dem Alter zu tun", sagt Sattler. Seine Patientinnen sind zwischen Anfang 20 und bis über 80 Jahre alt. Er fange immer bei der Psyche an und nehme sich Zeit für die Sorgen der Patienten . Viele müssten ihren gesamten Mut aufbringen, um sich für eine Schönheitsbehandlung zu entscheiden, um etwas gegen die "Zeichen der verminderten Attraktivität" zu unternehmen, - aber, so die Erfahrung in der Klinik, es werden immer mehr.

Ähnliche Beobachtungen macht Professor Dr. Thomas Dirschka in seiner Hautarzt-Praxis in Wuppertal. Er sagt: "In unserer mediengeprägten Gesellschaft ist das Aussehen sehr wichtig geworden." Deshalb habe die Zahl der Patienten mit dem Wunsch nach mehr Attraktivität in den letzten Jahren klar zugenommen. Einer der wesentlichen Punkte sind immer noch Falten. Zu viel Sonnenlicht schade der Haut, daher empfiehlt Dirschka immer eine Tagespflege mit Lichtschutzfaktor. Doch auch Rauchen, ungesunde Ernährung und Stress tragen dazu bei, dass Falten, Augenringe und schlaffe Haut entstehen. Neben dem "Umweltaltern" spielt das "Zeitaltern" eine Rolle, also der genetisch bedingte Prozess.

Rein biologisch gesehen sind es Bindegewebszellen und -fasern, die bei der jungen Haut für Stabilität und Elastizität sorgen, aber im Laufe der Zeit immer weniger werden, da die Fähigkeit zur Zellteilung nachlässt. Die Folge: Fett- und Wassergehalt der Haut nehmen ab, sie bekommt Falten und Runzeln, wird trocken, Blutgefäße treten deutlicher hervor. Die Regenerationsfähigkeit nimmt ab, ebenso die Muskelspannkraft, was auch zu Falten führen kann.

Die ästhetische Dermatologie, also der Bereich der Hautmedizin, der sich mit der Schönheit beschäftigt, bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Erscheinungsbild zu optimieren. Bei Dirschka kommt unter anderen der Laser zum Einsatz, um Flecken und Unebenheiten zu bearbeiten. Er warnt: "Tiefe Falten gehen dabei nicht weg." Denn diese entstehen durch Volumenverlust, der ausgeglichen werden muss. Wo früher das Skalpell für mehr Straffheit eingesetzt wurde, kommen heute "Filler" (Auffüller) zum Einsatz. Statt einer Operation wird ein "minimal invasiver" Eingriff per Injektion durchgeführt. In die Haut gespritzt werden vor allem Produkte, die Hyaluronsäure enthalten. "Das geschieht meist in mehreren Sitzungen", sagt Dirschka. Das Ergebnis halte je nach Menge bis zu zwei Jahre.

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil des Bindegewebes. Unter anderem kann es Wasser binden, auch im Glaskörper des Auges und in den Bandscheiben ist es enthalten. Das "Wundermittel" soll auch in der pflegenden Kosmetik seine straffende Wirkung entfalten, doch laut Dirschka wirken diese Produkte nur oberflächlich. Auch Hyaluronsäure-Tabletten bezeichnet er als "wirkungslos". Auch bei Sattler kommt Hyaluronsäure zum Einsatz. Er arbeitet "sehr vorsichtig, mit wenig Material und in mehreren Behandlungen". Deshalb sei das endgültige Resultat erst nach vier bis acht Monaten zu sehen.

Sind die Falten tief ausgeprägt und schlaffe Muskeln die Ursache, kann Botulinumtoxin zum Einsatz kommen. Eines der ersten derartigen Präparate hieß Botox, deshalb wird es heute noch als verallgemeinernder Begriff für die Behandlung mit dem Nervengift bezeichnet. "Damit erhält der Patient ein entspannteres Gesicht", erklärt Sattler. Er kenne die Gefahren, etwa, dass die Mimik vollständig erstarrt. Hier seien Erfahrung und behutsames Vorgehen gefragt. Längst gehe es nicht mehr darum, einen Muskel zu lähmen, sondern mit geringem Einsatz die Muskelfunktion einzuschränken. "Das gibt dem Gesicht eine Weichheit und Entspanntheit", erklärt Sattler. Bis zu einem halben Jahr hält die Behandlung, bevor sie wiederholt werden muss.

Die Mediziner sind sich einig: Jeder Mensch kann schön sein - und das ist keine Frage des Alters. "Wir verändern nicht die Persönlichkeit unserer Patienten , sondern optimieren ihr Aussehen", sagt Sattler. Für den Wunsch nach "Selbstveredelung" habe er Verständnis, denn Attraktivität spiele heute in vielen Lebensbereichen eine wichtige Rolle. Dirschka nennt die Behandlungen "kleinen Zusatzmaßnahmen, die für natürliche Schönheit sorgen" - oder für den Satz "Du siehst aber gut aus".