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Chronischer Schlafmangel kann dick und dumm machen

Hamburg. Die Leistungsfähigkeit des Organismus nimmt bei Schlafmangel noch schneller ab als bei Durst. Es drohen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Auch Burn-out ist eine Folge der unausgeschlafenen Gesellschaft.

(ml) Obwohl viele Menschen unter chronischem Schlafmangel leiden, haben sie kein Gefühl dafür. "Körper und Geist gewöhnen sich an die Unausgeschlafenheit, wir leiden unbewusst jedoch zunehmend darunter", sagt der Hamburger Neurobiologe Dr. Peter Spork. "Die Betroffenen werden unflexibel und reizbar, sind häufiger krank und weniger kreativ. Im schlimmsten Fall kann jahrelanger Schlafmangel zu Burn-out oder Depression beitragen. Ebenso erhöht er das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht."

Doch es gibt klare Hinweise auf chronischen Schlafmangel: Viele der Menschen, die am späten Nachmittag oder frühen Abend zwischen 17 und 19 Uhr nach Hause kommen, setzen sich vor den Fernseher und schlafen sofort ein. "Der frühe Abend ist eigentlich eine Zeit, zu der ausgeschlafene Menschen gar nicht einnicken können. Wenn einem so etwas regelmäßig passiert, dann ist der innere Schlafdruck sehr hoch. Auch wer ausgeprägte Mittagstiefs hat, sollte das als Warnsignal verstehen", erklärt Peter Spork.

Schlafmangel verringert auf Dauer die Gedächtnisleistung, schwächt das Immunsystem, da es sich nicht mehr richtig regenerieren kann, und begünstigt Übergewicht. Wenn wir schlafen, laufen im Körper wichtige Reparatur- und Regenerationsprozesse ab. Wer zu wenig oder schlecht schläft, verspürt am nächsten Tag einen Bärenhunger. Der Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Nicolai Worm aus München erklärt: "Hält der Schlafmangel über zwei, drei Nächte an, kann sich sogar eine ungezügelte Fresslust entwickeln. Es gibt zahlreiche wissenschaftliche Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen wenig Schlaf und dem Risiko zu Übergewicht hinweisen." Bei Schlafmangel sinkt im Blut die Konzentration des Sättigungshormons Leptin, hingegen steigt die Konzentration des appetitanregenden Hormons Ghrelin deutlich.