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Braune Beine aus der Sprühpistole

Braune Beine aus der Sprühpistole

Gegen blasse Winterhaut hilft Selbstbräuner. Mit ungeübten Händen aus der Tube aufgetragen, entsteht auf der Haut jedoch schnell ein fleckiges Ergebnis. Sprühbräune, sogenanntes „Airbrush Tanning“, kann Unebenheiten ausgleichen.

Ganzjährig gebräunt zu sein, das ist der Traum vieler Schönheitsfans. Doch auch Stars aus Hollywood müssen für ihren vermeintlich perfekten Sommerteint nicht ständig in die Karibik fliegen. Sie setzen meist auf "Tanning", eine Selbstbräunungsmethode, oft auch "fake tan" genannt, also falsche Bräune. Denn sie wird lediglich auf die Haut aufgesprüht und verblasst von alleine, wenn sie nicht regelmäßig wieder aufgefrischt wird.

Vorreiter England

"Bei uns ist das Tanning noch nicht so verbreitet wie in England, den USA oder Australien", berichtet Bettina Müller, die in Stuttgart zwei Airbrush-Tanning-Studios betreibt. "In Australien geht wegen der gefährlichen UV-Strahlung keiner mehr in die Sonne, da gibt es Tanning an jeder Ecke." Doch wie die englische Zeitung "The Guardian" berichtet, ist es weniger die Angst vor Hautkrebs, die zum Beispiel viele Engländer vom Sonnenbaden oder dem Besuch im Solarium abhält: Es ist eher die Gefahr einer vorzeitigen Hautalterung, die UV-Licht bewirken kann. Engländerinnen gelten als besonders verliebt in braune Haut. Laut einer Studie der britischen Kaufhauskette Debenhams nutzen 43 Prozent aller Frauen in England Selbstbräuner, manche bis zu fünf Mal im Monat.

Airbrush-Tanning funktioniert mit Hilfe einer Sprühpistole. Bettina Müller erklärt: "Mit einem eigens abgestimmten und entwickelten Sprühsystem wird hochkonzentrierter Selbstbräuner von geschultem Fachpersonal auf die Haut aufgetragen. Durch das sehr gleichmäßige Auftragen entsteht nach etwa sechs bis acht Stunden ein einheitliches Bräunungsergebnis." Anders als bei Bräunungsduschen, die sich inzwischen beispielsweise viele Sonnen- oder Kosmetikstudios leisten, können durch die Sprühpistole Unregelmäßigkeiten in der Haut besser korrigiert werden. Müller: "Beim Airbrush-Tanning kann man stärker und leichter sprühen, je nachdem, wie hell der Hauttyp ist." Vorteilhaft ist das variable Sprühsystem nach Erfahrung der Stuttgarterin auch für Menschen mit Körperbehaarung oder mit Pigmentstörungen, also weißen Flecken auf der Haut. Bettina Müller arbeitet mit Hautärzten zusammen und hat, wie sie erzählt, schon Patienten, die unter der Weißfleckenkrankheit leiden, erfolgreich behandeln können.

Nicht einatmen

Der Wirkstoff im Sprühnebel, der die Bräune hervorruft, heißt Dihydroxyaceton, kurz DHA. Der Stoff wird in geringer Konzentration meist als unbedenklich eingestuft. Er reagiert mit den freien Aminogruppen der Eiweiße in der äußeren Hornschicht der Haut und färbt sie bräunlich-gelblich ein. Doch wie das Magazin Ökotest herausgefunden hat, zerfällt die Substanz unter Wärmeeinwirkung: "Wenn sie über längere Zeit gelagert wird, entsteht Formaldehyd." Der Stoff gilt als krebserregend. Die Stiftung Warentest bezeichnet die Mengen, die bei Überlagerung entstehen, dagegen aber als so gering, dass keine Gesundheitsgefahr besteht. Auch ihren Tests zufolge ist DHA "die gesundeste Art, braun zu werden". Allergien kämen kaum vor.

Bleibt jedoch die Gefahr, den Sprühnebel einzuatmen. US-Forscher warnen davor, dass DHA Gesundheitsprobleme verursachen kann, wenn sich der Stoff auf der Lunge festsetzt. Bettina Müller hat sich in ihrem Studio deshalb mit einer eigens eingerichteten Absauganlage gegen dieses Problem gewappnet. "Denn nicht nur die Kunden, sondern auch das Personal müssen geschützt werden", sagt sie.

Lockere Kleidung tragen

Eine Airbrush-Sitzung im Studio dauert etwa 30 Minuten. Die Anwendung kostet je nachdem, wie viele Körperteile eingesprüht werden, zwischen 15 und 40 Euro. Während der etwa sechsstündigen Einwirkzeit empfiehlt Bettina Müller dunkle, lockere Kleidung zu tragen, damit nichts abfärben kann. Etwa sieben bis zehn Tage hält die Bräune aus der Pistole, dann muss sie aufgefrischt werden. Übermäßiges Schwitzen und Chlorwasser können der Bräune zusetzen. Müller sagt: "Für den Urlaub ist es daher empfehlenswert, sich ordentlich einzucremen und die Bräune wasserfest zu versiegeln."

Überhaupt gilt Sonnenschutz als Muss, denn durch die künstliche Bräune wird der reale Hautton lediglich überdeckt. Müller: "Wer künstlich gebräunt ist, fühlt sich in der Sonne schnell sicher, dabei kann man sich sehr verschätzen und sich verbrennen."