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Ballaststoffe sorgen für einen gesunden Darm

Ballaststoffe sorgen für einen gesunden Darm

Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hängen wesentlich von den Bakterien ab, die sich in unserem Darm tummeln. Es sind schätzungsweise bis zu 100 Billionen Bakterien , die im menschlichen Darm siedeln. Man spricht auch von Mikroben, zu denen allerdings auch Viren und Pilze zählen. Die Gesamtheit dieser Mikroben wird als Darmmikrobiom bezeichnet.

Immer mehr Wissenschaftler betrachten das Mikrobiom wie ein eigenes Organ, denn die Bakterien verdauen zum Beispiel Ballaststoffe - wozu der Mensch selbst nicht in der Lage ist - und versorgen ihren menschlichen Wirt mit gesunden kurzkettigen Fettsäuren , Vitaminen und Mineralstoffen.

Noch können die Forscher nicht sagen, wie ein gesundes Darmmikrobiom aussieht. Dazu sind das Gewimmel im Darm und die Kommunikation der einzelnen Bakterienarten miteinander und untereinander noch zu wenig erforscht. Doch einige Erkenntnisse wurden in mühsamer Forschung schon gewonnen und münden in Ratschläge, wie wir unsere Darmgesundheit verbessern können.

Welche Bakterien sich im Darm ansiedeln, hängt wesentlich von unserer Ernährung ab. Die Wissenschaft geht derzeit von rund 2000 Bakterienarten im Darm aus, die aber nicht alle segensreich wirken. Darüber wurde im März auf dem internationalen Kongress zum Darmmikrobiom diskutiert, den die europäische Gesellschaft zur Erforschung des Magen-Darm-Trakts (European Society of Neurogastroenterology and Motility) in Miami, Florida, durchführte.

Professor Dr. Stephen O'Keefe von der Universität Pittsburgh, USA, konnte mit seinem Team in einer Untersuchung zeigen, in der es um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Risikofaktoren für Darmkrebs ging, dass eine Umstellung der Ernährung sich schnell und deutlich auf das Mikrobiom auswirkt.

Darmkrebs hat bekanntermaßen viel mit dem westlichen Lebensstil und insbesondere einer fleisch- und fettlastigen Ernährung mit nur wenig Ballaststoffen zu tun. Daher sind in der westlichen Welt viel mehr Menschen von Darmkrebs betroffen als in Afrika und im Fernen Osten.

An der Studie der Pittsburgher Forscher nahmen 20 gesunde Afro-Amerikaner mittleren Alters aus den USA teil, die Bevölkerungsgruppe mit dem höchsten Darmkrebsrisiko, sowie 20 Probanden aus dem ländlichen Südafrika, wo diese Krankheit nur sehr selten auftritt.

Beide Gruppen tauschten in der Studie ihre Ernährungsweisen. Die US-Bürger erhielten traditionelle afrikanische Kost mit vielen Ballaststoffen, wie zum Beispiel Bohnen, Hirse und Gemüse, aber nur wenig Fleisch und Fett. Die Afrikaner hingegen ernährten sich nun "westlich" mit viel Fleisch und Fett und wenig Ballaststoffen.

Als Ballaststoffe werden schlecht oder gar unverdauliche Pflanzenfasern bezeichnet, die jedoch ein Sättigungsgefühl hervorrufen und die Darmtätigkeit anregen. Vor allem aber sind sie Futter für manche Darmbakterien , die daraus auch Fettsäuren produzieren können, die den Menschen gesund halten.

Die Teilnehmer der Studie unterzogen sich vor und nach dem Ernährungswechsel einer Darmspiegelung. Zudem wurden ihre Darmbakterien analysiert. Zu Beginn entdeckten die Ärzte bei fast der Hälfte der amerikanischen Teilnehmer Polypen im Darm , die entfernt wurden, da sie zu Tumoren werden können. Von den Afrikanern hatte kein einziger ein solches Geschwulst.

Nach Beendigung der Studie wurden den Teilnehmern an verschiedenen Stellen der Darm-Schleimhaut kleinste Gewebeproben entnommen. Verblüffend: Nach nur 14 Tagen hatte die traditionelle afrikanische Kost dazu geführt, dass bei den Amerikanern die Entzündungsprozesse im Darm deutlich eingedämmt und die Zellteilungs- und Zellwachstumsraten reduziert waren. Damit war das Risiko für Wucherungen vermindert. Bei den Afrikanern hingegen hatte die westliche Kost zu deutlichen Entzündungsreaktionen und verstärkter Zellteilung und stärkerem Zellwachstum geführt. Das sind klare Hinweise auf ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Die Forscher erklärten, die Ernährungsumstellung habe nicht so sehr die Zusammensetzung des Darmmikrobioms verändert, sondern vielmehr den Stoffwechsel der Bakterien und ihr Zusammenspiel. Im Darm der Amerikaner führte die afrikanische Ernährung dazu, dass Bakterien , die auf die Verdauung von Gemüsefasern und Hülsenfrüchten spezialisiert sind, sowie Bakterien , die aus Ballaststoffen wertvolle Buttersäure erzeugen, besser zusammenwirkten.

Buttersäure kann wie andere kurzkettige Fettsäuren auch Krebs verhindern. Sie stärkt die Darmschleimhaut, sodass keine Stoffe mehr durch die Darmwand ins Blut gelangen, die Entzündungen auslösen. Zudem werden das Immunsystem unterstützt, das Innere des Darms gereinigt und die Zahl der Krankheitskeime verringert. Sekundäre Gallensäuren, ein bakterielles Stoffwechselprodukt, das an der Krebsentstehung beteiligt ist, werden reduziert.

Bei den Probanden aus Afrika führte die westliche Erährung zum gegenteiligen Effekt. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass das ursprünglich niedrige Darmkrebsrisiko von Immigranten nach nur einer Generation der Verwestlichung bereits das Niveau des Einwanderungslandes erreicht hat. "Unseren Ergebnisse zufolge braucht eine westliche Ernährungsweise nur zwei Wochen, um krebsfördernde Veränderungen in der Darnschleimhaut und bei den Darmmikroben auszulösen", erläuterte Dr. Kishore Vipperla, einer der Forscher der Universität Pittsburgh.

Anders herum betrachtet seien das aber gute Nachrichten, sagte Vipperla. "Es ist wahrscheinlich nie zu spät, um durch eine Änderung der täglichen Essgewohnheiten das eigene Darmkrebsrisiko zu senken." Die Resultate der Wissenschaftler legen nahe, dass eine Erhöhung des Ballaststoff-Anteils in westlicher Kost auf etwa 50 Gramm pro Tag - zweieinhalbmal so viel wie derzeit üblich - und eine Verminderung des Fettanteils um die Hälfte das Darmkrebsrisiko wahrscheinlich um das Zehnfache verringert. Ballaststoffe stecken in Vollkornprodukten, Gemüse, Salaten, Hülsenfrüchten und Obst (das aber sehr zuckerreich ist).

"Es lohnt sich offenbar, die Darmbakterien genau zu erforschen, um Maßnahmen zur Prävention und Behandlung von Darmkrebs entwickeln zu können”, sagte Vipperla.