Ausdauersport allein kann Knochenschwund nicht verhindern

Erlangen · Nicht jeder Sport garantiert starke Knochen. Vor allem in Ausdauersportarten sind die Stoß- und Zugreize auf das Skelett zu gering. Denn es muss genügend gefordert werden, um zusätzliche Knochensubstanz aufzubauen.

(ml) "Schwimmen, Fahrradfahren oder Nordic Walking sind wunderbare Ausdauersportarten, die das Herz-Kreislaufsystem trainieren und bei ausreichender Intensität die Fettverbrennung ankurbeln. Die Knochen profitieren davon allerdings nicht", sagt der Saarbrücker Sportwissenschaftler Dr. Michael Fröhlich.

Ärzte der Kinderklinik in Cincinnati, USA, hatten die Knochendichte von 14 Leistungsschwimmern und 14 Leistungsturnerinnen im Alter von sieben bis neun Jahren untersucht. Im Vergleich zu gleichaltrigen Nicht-Sportlern wiesen die Turnerinnen im Bezug auf das Körpergewicht die höchste Knochendichte auf. Die Schwimmer unterschieden sich allerdings nicht von den Nicht-Sportlern. "Andere Studien zeigen sogar, dass bei Schwimmern bis zu fünf Prozent Knochenmasse verloren gehen, weil zu geringe Muskelkräfte auf die Knochen einwirken", berichtet Fröhlich.

Forscher der Universität von Missouri, USA, hatten die Knochendichte von 43 durchtrainierten Männern zwischen 20 und 59 Jahren untersucht, die an Laufwettbewerben oder Fahrradrennen teilnahmen. Weder Läufer noch Radfahrer hatten eine überdurchschnittliche Knochendichte. Im Gegenteil: Die Fahrradfahrer schnitten noch schlechter ab als die Läufer. Ihre Knochendichte war im gesamten Körper deutlich geringer. 63 Prozent wiesen Anzeichen eines beginnenden Knochenschwundes auf, unter den Läufern waren es schon 19 Prozent. Dagegen hilft nur ein zusätzliches Krafttraining.

Ein niedriges Körpergewicht beziehungsweise eine Gewichtsreduktion - worauf zum Beispiel Langstreckenläufer Wert legen, um möglichst gute Zeiten zu erzielen - bedeuten eine geringere Knochendichte. Langes, umfangorientiertes Ausdauertraining kann den Hormonhaushalt negativ beeinflussen und schwächt dadurch den positiven Einfluss der mechanischen Belastungen beim Laufen ab.

Sportwissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg haben in einer Studie nachgewiesen, dass regelmäßige sportliche Betätigung einen Knochenschwund bei Frauen, die gerade die Wechseljahre hinter sich hatten, verhindern kann. Bei körperlich trägen Frauen nimmt hingegen die Knochendichte nach den Wechseljahren schnell und deutlich ab. Allerdings reichten leichte gymnastische Übungen, Radfahren, Schwimmen oder Spazierengehen nicht aus, um die Knochensubstanz zu erhalten, so die Erlanger Forscher. Nur mit einem intensiven Kraft- und Sprungtraining und mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche könne ein Knochenschwund verhindert werden.

"Wer mehrere Jahre lang Sportarten mit hohen Stoßbelastungen wie Volleyball, Basketball und Hürdensprint betreibt, kann gegenüber inaktiven Menschen mit einem Knochenzuwachs von 20 bis 25 Prozent rechnen", sagt Michael Fröhlich. "Bei Sportarten mit mittleren Stoßbelastungen sind es 15 bis 20 Prozent, beispielsweise beim Squash, Fußball, Skaten und anaeroben Sportarten wie Sprinten, Seilspringen oder intensivem Krafttraining an Maschinen und mit Hanteln."

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Auf einen BlickHarte Stöße, wie sie beim Sprinten, Springen, bei Ball- und Rückschlagspielen auftreten, führen zu höherer Knochendichte. Sportarten ohne Stoßbelastung wie Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking hingegen nicht. Hohe Muskelspannung, die kurz einwirkt, erhöht die Dichte der belasteten Knochen deutlich. Damit sind zum Beispiel Sprinten und Springen, Turnen, Gewichtheben, Liegestütze, Klimmzüge, Ballspiele, Rückschlagspiele, Kampfsport und Leichtathletik gemeint.Variable Beanspruchung des Knochens wie bei Ballspielen führt zu einer deutlichen Steigerung der Knochendichte. Bei einseitiger, umfangorientierter Belastung (Laufen, Radfahren) tritt der Effekt nicht ein. Kurze, intensive Belastungen (Sprint) sind wirkungsvoll, große Trainingsumfänge (Langstrecke) aber nicht.

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