Wenn plötzlich 1200 Euro zusätzlich auf dem Konto landen

Kostenpflichtiger Inhalt: Geld : Was wäre, wenn morgen Geld vom Himmel regnete?

Ökonomen haben die Folgen sogenannten Helikoptergeldes aufs Verhalten der Verbraucher untersucht. Können staatliche Geldgeschenke die Wirtschaft ankurbeln?

(np) Seit über zehn Jahren versucht die Europäische Zentralbank die Konjunktur in der Eurozone anzukurbeln und hat mittlerweile ihren Leitzins unter Null gedrückt. Weniger geht nicht, weil sonst eine Deflationsspirale droht. Weil der Leitzins nicht mehr sinken darf, muss die EZB über andere Wege nachdenken, Geld in die Volkswirtschaft zu pumpen.

Dazu gibt es sehr, sehr ungewöhnliche Überlegungen. Eine davon ist das sogenannte Helikoptergeld. Der Begriff geht auf ein Gedankenexperiment des US-Ökonomen Milton Friedman aus dem Jahr 1969 zurück. Er dachte sich ein Szenario aus, in dem ein Hubschrauber eine Gemeinde mit einem Geldregen in Form von 1000-Dollar-Scheinen beglückt. Wird dieser Geldsegen, das Kaufverhalten der Menschen verändern? Welchen Einfluss hat er auf Inflation und die Konjunktur? Das war Ausgangspunkt einer Untersuchung von Ökonomen der TU Darmstadt.

Professor Michael Neugart und Dr. Uros Djuric sind dort in einer Umfrage mit 4900 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 70 Jahren der Frage nachgegangen, wie Menschen heute darauf reagieren würde, wenn es Geld vom Himmel regnete.

Die Wissenschaftler verglichen dabei vier Szenarien, berichtet die Darmstädter Hochschule. In allen vier Fällen ging es um einen Betrag von 1200 Euro. Im ersten Fall kam der Geldsegen vom Finanzministerium, finanziert aus Geldern der EZB. Im zweiten kam ein Scheck direkt von der EZB, im dritten Fall wurden die 1200 Euro in zwölf Monatsraten ausbezahlt. Der vierte Fall war ein Lottogewinn von 1200 Euro. Für die meisten Menschen mache es offenbar keinen Unterschied, woher das Geld stamme, erklären die Darmstädter Wirtschaftswissenschaftler. Sie behandelten die 1200 Euro grundsätzlich wie einen Lottogewinn. Rund 40 Prozent davon würden direkt ausgegeben, 40 Prozent gespart und der Rest fließe in die Tilgung von Schulden. Sorgen, dass das Helikoptergeld die Inflation anheize oder dass es Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Situation habe, machten sich die Menschen nicht.

Dass rund 40 Prozent in den Konsum fließen würden, wertet Neugart als positives Zeichen. „Das Helikoptergeld könnte vielleicht dazu beitragen, dass wir erst einmal aus der Rezession herauskommen. Ob es nachhaltig wirkt, können wir allerdings nicht prognostizieren.“ Bei den Teilnehmern der Umfrage sei das Wissen über dieses theoretische Finanzinstrument gering gewesen und die Verunsicherung groß.

Insgesamt ist der Ökonom skeptisch. Michael Neugart empfiehlt stattdessen Investitionen in Zukunftsfelder wie den Straßenbau, den Energiesektor oder die digitale Infrastruktur.