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Pestizide
Wenn Hummeln den rechten Ton verpassen

Hummeln reagieren extrem empfindlich auf Pestizide.
Hummeln reagieren extrem empfindlich auf Pestizide. FOTO: Andreas Lander / dpa/dpaweb
Karlsruhe. Pestizide lassen die Insekten trotz eines Überangebots an Nahrung verhungern.

(np) Getreide, Kartoffeln, Tomaten sind nur einige Pflanzen, die auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen sind. Und die übernehmen diesen für den Menschen lebenswichtigen Job sogar kostenfrei. Den Wert dieser Dienstleistung hat die Wildtier-Stiftung einmal ausgerechnet. Sie kommt auf über 14 Milliarden Euro pro Jahr allein in Europa.



Insekten sind also ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – doch sie sind  von Pestiziden bedroht. Das zeigt eine Untersuchung zum Bestäubungsverhalten von Hummeln des  Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Hummeln rütteln Pollenkörner durch Vibrationen aus den Blüten der Pflanzen. Sie erzeugen mit ihren Flügeln Schallwellen, die wiederum die Pollen aus der Blüte treiben.

Die Karlsruher Forscher untersuchten Hummeln, die dem Pestizid Neonicotinoid ausgesetzt waren. Sie stellten fest, dass sich  bei ihnen Frequenz und Dauer des Summtons verändert hatten, berichtet das KIT. Hummeln, die permanent mit dem Pestizid in Kontakt standen, hätten Probleme, den richtigen Ton zu treffen. Als Folge daraus habe sich die Menge der von ihnen gesammelten Pollen reduziert. Die Tiere hatten am Ende etwa die Hälfte weniger Nahrung gehabt, erklären die Forscher. „Hummeln einer Kontrollgruppe, die dem Pestizid nicht ausgesetzt waren, lernten in ihrer Entwicklung nach und nach, wie sie mehr Pollen sammeln und besser Blumen bestäuben können“, berichtet die Biologin Penelope Whitehorn.

Die Forscher wollen nun herausfinden, auf welche Weise  das Pestizid die Hummeln beeinflusst. Sie vermuten, dass die Substanz dem Gedächtnis der Tiere schadet.