Berlin: Vitaminpillen bringen den meisten Menschen nichts

Berlin : Vitaminpillen bringen den meisten Menschen nichts

Was bringen Nahrungsergänzungsmittel? Viele Menschen greifen zu Vitaminen und Mineralstoffen aus der Pillendose, um ihrer Gesundheit Gutes zu tun. Die Pillen und Pulver bringen es in Deutschland auf über 1,4 Milliarden Euro Umsatz.

Zweifel an der Wirksamkeit der Substanzen gibt es schon seit einiger Zeit. Doch jetzt sagt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, die Annahme, jeder Mensch brauche diese Mittel um seine Leistungsfähigkeit und Gesundheit zu erhalten, sei falsch. Die Einnahme von Vitamin C-, D- , K- , Magnesium-, Selen- oder Zink-Präparaten oder Omega 3-Fettsäure-Kapseln könne weder Krebs noch Herz-Kreislauf-Leiden vermeiden noch das Leben verlängern, zeige eine Studie im Fachblatt Advances in Nutrition. Andere Untersuchungen in den USA hätten auch positive Effekte von Vitaminen und Mineralstoffen dokumentiert, allerdings nur, wenn die über die Nahrung und nicht in Form von Pillen aufgenommen worden seien.

Es gebe insgesamt „sehr geringfügige Effekte“ erklärt Professor Jürgen Schölmerich, Facharzt für Gastroenterologie. Aber die müssten immer auch gegen die Risiken abgewogen werden. Vitamin A-Präparate in hohen Dosen erhöhten das Krebsrisiko; Beta-Carotin-Nahrungsergänzungsmittel steigerten bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko. Ähnliches gelte für Medikamente wie Acetylsalicylsäure (Aspirin). Es wird nach Herzinfarkten oder Schlaganfällen eingesetzt, um einen neuerlichen Infarkt zu verhindern. Die Schlussfolgerung, dass das Medikament  Otto-Normalverbraucher dann auch vor einem Infarkt schützen könne, treffe nicht zu, zeigten Studien. Wer vorsorglich Aspirin schlucke, reduziere damit weder das Herz-Kreislauf- noch das Krebsrisiko. Dagegen steige die Wahrscheinlichkeit für Blutungen, meist im Magen-Darm-Trakt. Schölmerichs Schlussfolgerung: „Wer sich gesund und fit halten will, sollte lieber auf ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung achten und Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen.“ Am wichtigsten sei die Darmkrebsvorsorge.

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