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Viele Insekten finden nicht mehr genug Nahrung

Insektensterben : Vielen Insektenarten droht die Nahrung auszugehen

In den ausgeräumten Agrarlandschaften hat die Nahrungsvielfalt für Insekten dramatisch gelitten, warnen Wissenschaftler der Universität Bonn.

(np) In jedem Jahr schrumpft die Zahl der an Land lebenden Insekten um knapp ein Prozent, berichten Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung und der Universitäten Leipzig und Halle-Wittenberg. Binnen dreier Jahrzehnte hat die Zahl der Insekten um mehr als ein Viertel abgenommen. Über die Ursachen des Insektensterbens an Land – die Zahl der im Wasser lebenden Insekten nimmt zu – debattiert die Fachwelt. Sind es die Pestizide in der Landwirtschaft, die Zerstörung des Lebensraums? Forscher der Universitäten Bonn und Zürich haben nun Ergebnisse einer neuen Untersuchung präsentiert, die darauf hinauslaufen, dass vielen Tierarten schlicht das Futter ausgeht.

Eine Auszählung im Kanton Zürich habe ergeben, dass die Vielfalt der Futterpflanzen für Insekten im vergangenen Jahrhundert dramatisch abgenommen hat. Und dieses Ergebnis sei im Prinzip für weite Teile Mitteleuropas repräsentativ, sagen die Forscher.

Wo früher bunte Wiesen wuchsen, herrscht heute landwirtschaftliche Monotonie. Viele Lebensräume seien verschwunden – allen voran die Feuchtgebiete, die um rund 90 Prozent schrumpften, sagt Dr. Stefan Abrahamczyk von der Universität Bonn. Die Wissenschaftler verglichen eine Statistik zu Futterpflanzen aus den Jahren 2012 bis 2017 – damals zählten 250 freiwillige Helfer die Pflanzen – mit Auswertungen historischer Sammlungen aus den Jahren 1900 bis 1930 im Kanton Zürich.

Der Rückgang betreffe einige Pflanzenarten ganz besonders. Dazu gehöre die Scabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), die von Hummeln, Bienen und Schmetterlingen bestäubt wird. Besonders dramatisch sei der Rückgang bei Pflanzenarten, die nur von einer einzigen Insektengruppe bestäubt werden können. Zum Beispiel gelingt die Bestäubung beim Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) nur Hummeln, weil ihnen offenbar das Gift dieser Pflanze nichts anhaben kann.

Insgesamt wurden alle Pflanzengemeinschaften deutlich monotoner, in denen wenige häufige Arten dominieren. „Es ist für uns kaum mehr vorstellbar, wie die Vegetation vor 100 Jahren aussah“, sagt Dr. Michael Kessler von der Universität Zürich.