Soziales Vereine im Flutgebiet wollen noch jahrelang Spenden sammeln

Bad Neuenahr-Ahrweiler · In kurzer Zeit hat Hochwasser das Ahrtal verwüstet. Beim Wiederaufbau rechnen Hilfsvereine immer noch in Jahren und nicht in Monaten.

Kinder toben im Indoor-Spielpark KinderpAHRadies.

Kinder toben im Indoor-Spielpark KinderpAHRadies.

Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild

Mindestens 134 Tote und rund 9000 verwüstete Häuser im Juli 2021: Hilfsvereine im flutgeschädigten Ahrtal wollen noch jahrelang Spenden sammeln und aktiv sein. „Der Bedarf wird noch sehr lange da sein“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Spenden-Shuttle, Marc Ulrich, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollen noch Jahre weitermachen.“ Auch der Gründer des Vereins Die Ahrche, Lucas Bornschlegl, betonte: „Wir hoffen noch lange auf Spenden.“ Auch 2024 werde es weiter genug zu tun geben.

Beim Wiederaufbau im Flusstal sind auch nicht vereinsgebundene ehrenamtliche Helfergruppen noch aktiv, etwa das „Team Ballern“ - so getauft von Dennis Büchling aus Ruppichteroth in Nordrhein-Westfalen. Es gebe inzwischen viele Kontraste an der Ahr: „Die einen sind schon fertig mit Häusern, die anderen haben noch nicht angefangen, weil ihnen immer noch das Eigenkapital fehlt.“ Manche hätten schon genug Geld von ihrer Versicherung oder aus dem Aufbaufonds von Bund und Ländern bekommen - andere nicht. „Ich bin zum Beispiel neulich abends durch Altenahr gelaufen. Das ist erschreckend, da sind immer noch viele Häuser völlig dunkel, also unbewohnt“, sagte Büchling.

Die mediale Aufmerksamkeit für die Ahr-Flut und damit auch der Spendenfluss sind derweil laut Spenden-Shuttle-Vize Ulrich deutlich zurückgegangen. „Wir merken den Krieg in der Ukraine.“ Und die hohe Inflation. Höchstens der Flut-Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags mache mal aufs Ahrtal aufmerksam.

Sein Verein habe seit dem Hochwasser mehr als fünf Millionen Euro an Spenden bekommen, ergänzte Ulrich. „Über 1000 Projekte sind schon gefördert worden.“ Derzeit laufe etwa die Aktion „Fit durch den Winter“ mit für Flutopfer kostenlosen Fitness- und Tanzkursen. Für die Jüngsten ließ der Spenden-Shuttle zusammen mit Der Ahrche den 800 Quadratmeter großen Indoor-Spielplatz „KinderpAHRadies“ mit einem Piratenschiff in einem beheizten riesigen Zelt in Ahrweiler aufbauen. In Bad Neuenahr kaufte er in Kooperation mit dem Verein Lebenshilfe ein Haus für Menschen mit Beeinträchtigung.

Der Verein Die Ahrche bietet in Ahrweiler neben Kaffee und Kuchen fürs soziale Miteinander auch individuelle Hilfe für Flutopfer an. Seine Turnhalle wird auch vom Schulsport genutzt. Hinzu kommen Einzelaktionen. Im Sommer 2023 etwa werde Die Ahrche das Angebot einer Gärtnerinnung mit 120 ehrenamtlichen Experten zur Gestaltung verwüsteter Gärten im Ahrtal koordinieren, erklärte Bornschlegl.

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(dpa)