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Kosmos
Zwei Galaxien auf Kollisionskurs

 Dieses Foto zeigt den Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke. Diese Zwerggalaxis wird in zwei Milliarden Jahren mit unserer Galaxis kollidieren.
Dieses Foto zeigt den Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke. Diese Zwerggalaxis wird in zwei Milliarden Jahren mit unserer Galaxis kollidieren. FOTO: ESO
Durham. Der Milchstraße droht der Zusammenprall mit einem kleineren Sternensystem, der Großen Magellanschen Wolke.

(np) Eine typische Galaxis wie jene, in der unser Sonnensystems liegt, hat in der Regel Begleiter. Wie ein großer Planet, der von zahlreichen Monden umkreist wird, bewegen sich um eine Galaxis meist mehrere kleine Sternenansammlungen. Normalerweise sind solche Konstellationen extrem langlebig. Zwerggalaxien können Jahrmilliarden ungestört im Orbit um das zentrale Sternensystem verbringen. Doch wenn dieses harmonische Miteinander durch die Schwerkraft gestört wird, kann eine Zwerggalaxis auch auf Kollisionskurs geraten. Dann droht der Zusammenprall zweier Welten.


Die Kollision zweier Galaxien darf man sich allerdings nicht wie einen Crash im Straßenverkehr vorstellen. Es gibt keinen großen Knall mit vielen Trümmern. In der Regel wird die kleinere der Sternenwelten bei diesem Zusammentreffen aufgelöst und geht schließlich in der größeren Galaxis auf. Ein direkter Zusammenstoß von Sternen ist wegen der riesigen Entfernungen im All extrem unwahrscheinlich. Die Astronomen gehen allerdings davon aus, dass bei der Kollision viele Sonnensysteme aus ihren Bahnen geworfen werden.

Ein solches Ereignis droht nach Ansicht von Astrophysikern der englischen Universität Durham unserer Milchstraße in absehbarer Zeit. Sie sind überzeugt, dass die Große Magellansche Wolke, eine Zwerggalaxie, die heute etwa 163 000 Lichtjahre entfernt ist, mit ihr zusammenprallen wird. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht im All in einem Jahr zurücklegt – etwa 9,5 Billionen Kilometer. „Absehbare Zeit“ ist in der Astronomie allerdings ein erklärungsbedürftiger Begriff. Bis zum Aufprall werden nach den Berechnungen der englischen Physiker zwei Milliarden Jahre vergehen. Für Menschen, so der Wissenschaftler Marius Cautun, liegt das unvorstellbar weit in der Zukunft, „in kosmischen Maßstäben ist das aber ein kurzer Zeitraum“.



Die Große Magellansche Wolke ist die hellste Zwerggalaxis im Orbit um unsere Milchstraße, erklärt die Forschergruppe. Sie kreist seit 1,5 Milliarden Jahren um unsere Milchstraße. Früher gingen die Astronomen davon aus, dass sie in diesem Orbit Jahrmilliarden bleiben oder dass sie der Schwerkraft der Milchstraße eines fernen Tages sogar völlig entkommen könnte. Doch die neuen Messungen deuteten nun auf ein anderes Schicksal hin, erklären die englischen Forscher im Fachjournal der Royal Astronomical Society.

Da die Zwerggalaxie zweimal mehr sogenannte Dunkle Materie enthalte als bisher bekannt, sei eine Kollision unvermeidlich. Mit dem Fachausdruck Dunkle Materie bezeichnen Astronomen nicht direkt beobachtbare Massen in Galaxien, die sich nur durch ihre Schwerkraft bemerkbar machen. Als mögliche Folge der kosmischen Katastrophe könnte das derzeit schlafende Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße aktiv werden. In diesem supermassiven Objekt, dessen Schwerkraft so hoch ist, dass es jede Form von Strahlung, auch Licht, verschluckt, sind nach aktuellen astronomischen Berechnungen vier Millionen Sonnenmassen konzentriert.

Das Schwarze Loch werde viele aus ihren Bahnen geworfene Sonnen und Planeten verschlucken und könne dadurch auf die zehnfache Masse anwachsen. Dabei entstehe ein gewaltiges Feuerwerk hochenergetischer Strahlung.

Die britischen Wissenschaftler halten es zwar wegen des großen Abstandes von über 25 000 Lichtjahren zum Mittelpunkt der Milchstraße für ausgeschlossen, dass unser Sonnensystem von diesem Strahlungsausbruch im Zentrum in Mitleidenschaft gezogen wird. Es könne allerdings auch der Fall eintreten, dass sich die Sonne und sämtliche Planeten, darunter auch die Erde, zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem höchst gefährlichen Abweg befinden. Denn es sei nicht auszuschließen, dass unser Sonnensystem durch den Aufprall der Großen Magellanschen Wolke in die Weiten des intergalaktischen Raumes geschleudert werde.

(dpa)