Sprachen lernen hilft gegen Demenz

Wissen : Wer mehrere Sprachen beherrscht, hat ein größeres Gehirn

Neurowissenschaftler des Forschungszentrums Jülich und der Uni Aachen vermessen die Gehirne von fast 400 Testpersonen.

(np) Wer mehrere Sprachen spricht, hat ein größeres Gehirn, berichtet das Forschungszentrum Jülich. Und dieser Umstand könne möglicherweise erklären, wieso mehrsprachige Menschen im Alter länger geistig fit bleiben. Die Jülicher Neurowissenschaftler untersuchten mit Kollegen der RWTH Aachen per Magnetresonanztomographie Gehirne von 399 Testpersonen. 175 von ihnen beherrschten zwei Sprachen fließend.

Das Forscherteam aus Medizinern, Psychologen, Linguisten und Logopäden konzentrierte sich dabei vor allem auf die graue Substanz im linken Stirnlappen und im linken Scheitellappen, die beim Sprechen eine wichtige Rolle spielen, so Professor Stefan Heim vom Forschungszentrum Jülich. Die graue Substanz der beiden Regionen, in der besonders viele Nervenzellkörper liegen, lege beim Erwerb einer zweiten Sprache in jungen Jahren deutlich an Volumen zu. Das liege an der Vernetzung benachbarter Nervenzellen.

Von diesem Plus profitieren die Menschen über viele Jahrzehnte. Im Alter nehme das Volumen der grauen Substanz der beiden Gehirnbereiche bei allen Menschen zwar ab, erklären die Wissenschaftler. Doch sei das Volumen der Sprachregion im Stirnlappen von Mehrsprachlern bis zu einem Alter von 60 Jahren immer etwas größer als bei Menschen, die nur ihre Muttersprache beherrschen. Später gleichen sich beide Gruppen langsam an. Aber erst im Alter von 80 Jahren seien keinerlei Unterschiede mehr messbar. „Ein Zuwachs an grauer Substanz geht nach unserer Erfahrung mit einem Zuwachs der kognitiven Reserve einher – also einer besseren geistigen Leistungsfähigkeit und Flexibilität“, sagt Stefan Heim.

Aus Arbeiten anderer Forschergruppen sei außerdem bekannt. dass ein solcher Vorteil nicht einfach wieder verschwindet. Der Informationsaustausch zwischen den Gehirnregionen werde stabiler und effektiver. Dies könnte erklären, wieso Mehrsprachler im Alter oftmals länger geistig fit bleiben. Professor Svenja Caspers von der Uni Düsseldorf will die Untersuchung künftig erweitern. Dabei soll es um die Frage gehen, ob auch Rentner davon profitieren können, wenn sie mit Eintritt in den Ruhestand eine Fremsprache lernen.

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