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So hässlich macht Zigarettenqualm

Blick in die Zukunft: Diese zusammengefügten Fotos simulieren die Effekte des Alterns am Beispiel des Gesichts einer jungen Frau, die zum Zeitpunkt der Aufnahme 18 Jahre alt ist. Wie sie in 15 Jahren aussehen könnte falls sie täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, zeigt der linke Teil des Bildes. Auf der rechten Seite hat das Computerprogramm Smokerface dagegen den natürlichen Alterungsprozess simuliert.
Blick in die Zukunft: Diese zusammengefügten Fotos simulieren die Effekte des Alterns am Beispiel des Gesichts einer jungen Frau, die zum Zeitpunkt der Aufnahme 18 Jahre alt ist. Wie sie in 15 Jahren aussehen könnte falls sie täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, zeigt der linke Teil des Bildes. Auf der rechten Seite hat das Computerprogramm Smokerface dagegen den natürlichen Alterungsprozess simuliert. FOTO: titus brinker / smokerface
Heidelberg. Rauchen und zu viel UV-Licht lassen unser Gesicht im Zeitraffer altern. Wie schlimm das wird, zeigt eine Smartphone-App. Von Peter Bylda
Peter Bylda

Dass Rauchen tödlich ist, steht auf jeder Packung. Dass Zigarettenrauch das größte Gesundheitsrisiko unserer Zeit ist, auch das ist bekannt. Doch diese Warnung dringt in Deutschland offenbar nicht so recht durch. Mit über 16 Millionen Rauchern bleibt das Land in den Top Ten der qualmenden Nationen. Wer daran etwas ändern will – gerade bei der Jugend –, muss deshalb auch auf andere Argumente setzen, sagt Dr. Titus Brinker. Denn Rauchen ist nicht nur ungesund, es macht auch hässlich.


Titus Brinker ist 27 Jahre alt und im Hauptberuf Arzt. In seiner Freizeit entwickelt er Computerprogramme. Der programmierende Mediziner hat die Smartphone-App Smokerface entwickelt, die zeigt, wie sich ein Rauchergesicht über die Jahre verändert. Und das ist nicht schön anzuschauen. Ein Selfie genügt und die Zeitmaschine der App dreht die Uhr des Lebens um eineinhalb Jahrzehnte vor und simuliert die Hautalterung mit und ohne Zigarette. Schon Nichtrauchern dürfte das Ergebnis nicht gefallen, doch Raucher brauchen starke Nerven, wenn sie sich selbst ins Antlitz schauen. Der Horrortrip auf dem Smartphone zeigt, wie ein glattes Gesicht binnen weniger Jahre zu einer fahlen Kraterlandschaft mit Furchen, Fleckben und Falten mutiert.

Über 100 000-mal ist die App bislang allein aus Googles Playstore heruntergeladen worden. Insgesamt seien über 600 000 Versionen seiner Programme auf Apple- und Android-Smartphone installiert, berichtet Brinker stolz. Der Plural zeigt: Der programmierende Mediziner hat mehr als nur eine App veröffentlicht. Für Smokerface und die Arbeit in dem von ihm gegründeten Verein gegentabak.de wurde er zweimal beim Startsocial-Wettbewerb für ehrenamtliche, soziale Projekte von der Bundeskanzlerin ausgezeichnet, für die App Sunface hat er nun vor wenigen Wochen den Young Research Award der La Roche-Posay Foundation erhalten. Hier geht es um die Folgen übermäßiger UV-Strahlung. Sunface soll junge Menschen vor Hautkrebs warnen, ein Thema, dem der Hautarzt Titus Brinker täglich in seiner Arbeit im Krankenhaus begegnet.



Titus Brinker
Titus Brinker FOTO: Titus Brinker

Sunface und Smokerface zählen beide zur Kategorie der sogenannten Photoaging-Apps, die die Alterung eines Gesichts simulieren. Sunface verrechnet dabei ein Selfie, Angaben zum Hauttyp und drei UV-Optionen – Sonnenbad mit und ohne Sonnenschutz und zusätzlich die wöchentliche UV-Dusche im Solarium – zum mutmaßlichen Aussehen in fünf bis 25 Jahren. Dazu zeigt die App, wie sich je nach Verhalten, das Hautkrebsrisiko erhöht und erklärt, woran man Hautkrebs und seine Vorstufen erkennt.

Wer wagemutig ist, kann seine Freunde und Verwandten über die Sozialen Netzwerke über sein mutmaßliches künftiges Aussehen informieren. Die App ist ein großer Partyspaß unter jungen Leuten. Eine Untersuchung in Essen mit 205 Schülern im Alter zwischen 13 und 19 Jahren habe aber auch gezeigt, dass sie Teenager zum Nachdenken über das Thema UV-Schutz bringt, berichtet die Uniklinik Heidelberg.

Und was bringt einen 27-jährigen Arzt dazu, Zeit ins Programmieren von Smartphone-Apps zu stecken? Titus Brinker nennt Erfahrungen aus seinem Medizinstudium, wo das Thema Prävention, vor allem wenn es ums Rauchen geht, zu kurz gekommen sei. Bei drei Viertel der Lungenkrebspatienten werde die Diagnose immer noch zu spät gestellt. Hautkrebs zähle zu den häufigsten Tumoren unter jungen Erwachsenen. Diese Krankheiten ließen sich gut verhindern, seien aber schwierig zu behandeln. „Wenn Sie das einmal mitgesehen haben, sind Sie extrem motiviert.“ Das sieht das Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen der Uniklinik Heidelberg ähnlich. Dort wurde eine Forschungsgruppe App-Entwicklung eingerichtet. Sie soll neue, digitale Gesundheitsangebote fürs Internet entwickeln. Ihr Leiter ist Titus Brinker.

www.gegentabak.de