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Wissen
Smartphones verraten viel über die Persönlichkeit ihrer Nutzer

Bonn/Bern. (np) Smartphones machen abhängig, unproduktiv und unglücklich, warnt der Informatiker Alexander Markowetz. Vor drei Jahren veröffentliche der Juniorprofessor der Universität Bonn die App Menthal, die aufzeichnet, wie häufig der Besitzer eines Mobiltelefons auf dessen Bildschirm schaut.

300 000 Smartphone-Besitzer machten bei diesem App-Experiment mit, berichtete die Hochschule. Das Ergebnis: Alle 18 Minuten lässt sich der durchschnittliche Smartphone-Besitzer von dessen Gebimmel oder Blinken von seiner Tätigkeit ablenken. Das, so warnt die Universität Ulm, wirke sich bei Smartphone-Junkies natürlich negativ auf die Leistung am Arbeitsplatz aus.


Forscher der Uni Bern haben das Thema nun in einer weiteren Untersuchung beleuchtet. Sie kommen sinngemäß zu diesem Ergebnis: Wer sich von der Kommunikationsmaschine Smartphone an die Kandarre nehmen lässt, dem mangelt es an Selbstbeherrschung. Die Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen kommen nach einer Untersuchung mit 108 Testpersonen zum Ergebnis, „dass Personen mit niedriger Fähigkeit zur Selbstkontrolle eher dazu neigen, unmittelbar auf Signaltöne des Smartphones zu reagieren.“

Ihre Versuchspersonen, die vorher einen standardisierten Persönlichkeitstest absolviert hatten, glaubten, an einer Meinungsumfrage teilzunehmen, bei der sie mehrfach täglich Nachrichten erhielten. Das eigentliche Ziel des Tests sei jedoch gewesen, die Reaktionszeit der Teilnehmer zu messen, berichtet die Hochschule. Von 1620 Nachrichten seien 335 binnen einer Minute beantwortet gewesen. Versuchsteilnehmer mit schwach ausgeprägter Selbstkontrolle hätten große Schwierigkeiten gehabt, nicht unmittelbar auf das Smartphone-Signal zu reagieren. Dieser Effekt sei unabhängig von weiteren Persönlichkeitsmerkmalen gewesen.



Die Schweizer Forscher empfehlen nun Unternehmen, über diese Studienergebnisse nachzudenken, wenn es um die Frage gehe, ob es sinnvoll sei, Smartphones an alle Mitarbeiter auszugeben oder ob Mails nach Feierabend auf die Handys weitergeleitet werden sollten.