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Schon ein Glas Bier pro Tag ist riskant

Das Krebsrisko durch Alkohol ist wahrscheinlich höher als bisher angenommen, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum.
Das Krebsrisko durch Alkohol ist wahrscheinlich höher als bisher angenommen, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum. FOTO: dpa / Jan Woitas
Heidelberg. Deutsches Krebsforschungszentrum hält die bisherigen Höchstgrenzen des Alkoholkonsums für zu hoch angesetzt.

(np) In Europa erkranken immer noch zu viele Menschen an Krebs. Dabei ließe sich diese Quote um 45 Prozent senken, wenn sämtliche Präventionsprogramme konsequent umgesetzt würden, zeigt eine US-Studie. Denn besser als jedes Früherkennungsprogramm sei es, eine Tumorerkrankung überhaupt zu verhindern. Die Mediziner sprechen in diesem Zusammengang von der sogenannten Primärprävention. Der Verzicht aufs Rauchen und auf Alkohol spielt dabei eine zentrale Rolle, erklärt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.


Beim Alkohol, so das Forschungszentrum, sei die bisher von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Schwellenwert genannte Menge von 20 Gramm pro Tag für gesunde Männer und zehn Gramm für Frauen möglicherweise zu hoch angesetzt gewesen. Eine Untersuchung der Universität Cambridge, an der auch Forscher des DKFZ beteiligt waren, laufe im Ergebnis darauf hinaus, dass bereits der regelmäßige Konsum von mehr als 100 Gramm Alkohol pro Woche das Leben erheblich verkürzen könne. Das bedeutet: Wer auf Dauer mehr als zwei Liter Bier oder eine Flasche Wein pro Woche konsumiere, lebe gefährlich. Denn bereits diese Menge erhöhe die Gefahr eines Schlaganfalls oder eines sogenannten Aneurysmas – so wird die gefährliche Erweiterung einer Arterie bezeichnet – und eines Herzversagens.

Das Forscherteam um Angela Wood und John Danesh hatten Datensammlungen zu Trinkgewohnheiten von 600 000 Menschen aus 19 Ländern weltweit verglichen. Die Auswertung der Daten zeige, dass oberhalb von 100 Gramm das Risiko steige, ab 200 Gramm sei statistisch die Lebenserwartung um bis zu zwei Jahre verkürzt, bei mehr als 350 Gramm pro Woche sogar um bis zu fünf Jahre. Überraschend sei zudem gewesen, dass die Untersuchung keine nennenswerten Unterschiede zwischen Männern und Frauen zutage gefördert habe.



Informationen zu den Alkoholmengen, die als medizinisch unbedenklich eingestuft werden, schwanken deutlich, erklärt Rudolf Kaaks vom Heidelberger Krebsforschungszentrum. In Deutschland definiere die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Höchstmenge mit 140 Gramm pro Woche für Männer und 70 Gramm für Frauen. In den Vereinigten Staaten seien es dagegen fast 200 Gramm, in Großbritannien wiederum laute die Empfehlung für Männer und Frauen, 140 Gramm pro Woche nicht zu überschreiten.

In der Praxis wird allerdings deutlich mehr getrunken. Der Durchschnittsdeutsche schluckt laut Statistik elf Liter reinen Alkohol pro Jahr, das sind 8,7 Kilogramm, so das Krebsforschungszentrum. Auf eine Woche umgerechnet konsumiert damit jeder Mensch in Deutschland 170 Gramm reinen Alkohol.