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Medizin
Rosa Tabak für die Arzneimittelforschung

Potsdam. Biologen der Max-Planck-Gesellschaft testen gentechnisch veränderte Pflanzen als Wirkstoffproduzenten.

(np) Antibiotika sind keine Erfindung der modernen Medizin. Bakterien nutzen ähnliche Substanzen seit undenklichen Zeiten, um ihre Feinde zu vernichten. Schwämme erzeugen Naturstoffe, die in der Krebsmedizin genutzt werden. Ganz allgemein gesagt, produzieren Pflanzen viele Inhaltsstoffe, die dem Menschen nützlich sein können.



Weil die pharmazeutische Nutzung dieser Stoffe zu kompliziert ist, werden sie allerdings bisher in chemischen Labors hergestellt. Ließe sich das mit Methoden der Gentechnik ändern? Mit dieser Frage beschäftigt sich Professor Ralph Bock am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm. Dabei spielt die Tabakpflanze eine wichtige Rolle.

Ein Beispiel seiner Arbeitsgruppe ist Astaxanthin, ein Farbstoff, der in Zellen als UV-Schutz und als sogenanntes Antioxidans wirkt. Lachse und Forellen nutzen Asta­xanthin gegen oxidativen Stress, dem sie bei ihren langen Reisen von den Nahrungsgründen zurück an ihren Geburtsort ausgesetzt sind. Astaxanthin, das sie über die Nahrung aufnehmen und das ihr Fleisch rötlich färbt, schütze  ihre Körperzellen. In Lachs- oder Forellenfarmen, wo Fische für den Handel gezüchtet werden, ist diese Substanz ein begehrter Futtermittelzusatz. Er werde aus Krebstieren und Mikroalgen gewonnen. Doch das sei aufwändig, teuer und wegen der Abfallstoffe auch ein ökologisches Problem.  Würden Pflanzen den Farbstoff herstellen, käme das viel billiger.

Die Potsdamer Forscher der Max-Planck-Gesellschaft wollen nun Chloroplasten in Tabakblättern, die eigentlich für die Photosynthese sorgen, so umprogrammieren, dass sie Astaxanthin herstellen. Chloroplasten sind in jeder grünen Pflanzenzelle zahlreich vertreten. Die Forschergruppe um Ralph Bock nutzt Tabak unter anderem wegen seiner  besonders großen Blätter. Wie der Lachs seien nun auch diese gentechnisch veränderten Tabakpflanzen charakteristisch orange gefärbt. Nutzen lasse sich das Produktionsverfahren bisher allerdings nicht, weil Tabak giftig ist. Die Forscher suchen nun eine geeignetere Pflanzenart als Astaxanthin-Produzenten.