Raumanzüge für den Mond

Raumfahrt : Modenschau für Mondfahrer

Die Nasa zeigt, was Astronauten auf dem Erdtrabanten künftig tragen. Die Auswahl ist äußerst begrenzt, es gibt nur ein Modell der Raumanzüge für Frauen und Männer. Auf der Erde ist es untragbar, denn der Anzug wiegt 150 Kilogramm.

Die passende Kleidung für einen gegebenen Anlass zu finden, fällt jüngeren Menschen nicht immer leicht. Wie einfach ist das dagegen auf dem Mond. Da gibt es bei der Wahl des passenden Outfits kein Vertun, denn die Astronauten haben keine Wahl. Für einen Ausflug auf den Mond – die Rede ist derzeit von Missionen in der Mitte des nächsten Jahrzehnts – bietet ihnen  die Nasa nur einen einzigen Anzug.

Die US-amerikanische Raumfahrtorganisation hat gerade eine neue Kollektion für zukünftige Mondfahrer vorgestellt. Dabei geht es natürlich nicht um gutes Aussehen, sondern ums Überleben. Wer über die Mondoberfläche spazieren will, der braucht sehr spezielle Funktionskleidung. Der Mond ist eine luftleere Wüste, in der es reichlich vor allem  eines gibt: Strahlung. Der Anzug muss Astronauten vor dieser tödlichen Umwelt schützen, mit Atemluft versorgen, Temperaturunterschiede von über 270 Grad ausgleichen sowie Mikrometeoriten abhalten.

Als vor fünf Jahrzehnten erstmals Menschen auf dem Mond landeten, waren Raumanzüge so flexibel wie eine Ritterrüstung. Insbesondere die Beinfreiheit war eingeschränkt, weshalb die Apollo-Astronauten sich meist hüpfend wie ein Känguru bewegten und dabei gelegentlich unfreiwillig im Staub landeten. Heute sind die Apollo-Anzüge Museumsstücke und vom Zerfall bedroht. Sie zu erhalten, erfordert viel Know-how im Kampf gegen Bakterien und die altersbedingte, chemische Materialzersetzung.

Untauglich für den Mond sind auch die von Astronauten bei Weltraumspaziergängen außerhalb der Internationalen Raumstation getragenen Schutzanzüge. Sie ermöglichen zwar eine größere Fingerfertigkeit als die Apollo-Skaphander, allerdings sind die für Arbeiten in Schwerelosigkeit optimierten Anzüge der Raumstation nicht fürs Gehen gemacht. Die Nasa hat daher einen neuen Mondanzug entwickelt, der sowohl die Erfahrungen aus der Apollo-Ära als auch das modernere Design der ISS-Raumanzüge berücksichtigt. Der neue Anzug soll bequemer sein als die Bekleidung der Apollo-Ära vor fünf Jahrzehnten.

Das grundsätzliche Prinzip des Zwiebelschalen-Aufbaus wurde beibehalten. Der Raumanzug besteht aus mehreren Schichten Woll-, Kunststoff- und Metallfasern Deutlich verbessert wurde die Beweglichkeit der Gelenke, um beispielsweise einen Stein von Boden aufheben zu können, so Nasa-Astronautin Kate Rubins bei der Präsentation. Rubins werden gute Chancen eingeräumt, als erste Frau über die Mondoberfläche zu spazieren.

Die neuen Raumanzüge ermöglichen Armbewegungen über den Kopf. Alle Bewegungen werden durch elektromechanische Antriebe unterstützt, so dass Astronauten auch große Massen ohne Mühe bewegen können.  Bei der Entwicklung flossen Erfahrungen mit sogenannten Exoskeletten aus militärischen Programmen ein. Sie verstärken über Elektromotoren die Muskelkraft des Menschen. Auf der Erde werden Exoskelette auch in der industriellen Produktion und in der medizinischen Rehabilitation eingesetzt. Neu an den modernen Raumanzügen sind auch flexibel austauschbare Schuhsohlen sowie leichtere Helme mit viel Elektronik. Unverändert bleibt dagegen die Ausstattung der Unterwäsche. Die Astronautenwindeln sind extrem saugfähig, um Langzeitaufenthalte im Raumanzug von zehn Stunden erträglich zu machen.

In einem Punkt wird der neue „Artemis“ genannte Raumanzug aber einen Rückschritt zur Apollo-Ära darstellen. Ihn wird es nicht als maßgeschneiderte Anfertigung geben, sondern nur von der Stange im Unisex-Format in drei verschiedenen Standardgrößen: klein, mittel und groß. Das Gewebe ist dehnbar und soll sich individuellen Körpermaßen anpassen. Der Tragekomfort auf der Erde wäre trotzdem eine Katastrophe, denn die Schutzkleidung fürs All wiegt hier 150 Kilogramm. Wegen der deutlich geringeren Anziehungskraft auf dem Erdtrabanten sind es dort dann nur noch 25 Kilogramm – doch ein Weltraumspaziergang wird ein Ausflug auf dem Mond damit auch nicht.