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Mondforscher berechnen das Alter des Erdtrabanten neu

So entstand der Erdtrabant : Der Mond ist 100 Millionen Jahre jünger als gedacht

Wissenschaftler aus Berlin und Münster haben die kosmische Kollision rekonstruiert, aus der vor ziemlich genau 4,4 Milliarden Jahren der Trabant der Erde entstand.

(np) Wie alt ist unser Mond? Gut 4,5 Milliarden Jahre lautete bisher die Antwort – mit leichter Tendenz nach unten. Nun haben Geologen der Universität Münster und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) diesen Wert korrigiert. Mit deutlicher Tendenz nach unten. Der Mond ist danach fast 100 Millionen Jahre jünger als bisher angegeben.

Ihre Angabe basiert allerdings nicht direkt auf Analysen des Gesteins, das Apollo-Astronauten vor fünf Jahrzehnten vom Mond zurück zur Erde brachten, sondern vor allem auf Computersimulationen. Der Mond ist das Ergebnis einer Kollision der jungen Erde mit einem vermutlich marsgroßen Planeten in der Frühzeit des Sonnensystems. Aus den Trümmern dieser Katastrophe entstanden zwei neue Himmelskörper – die Erde und ihr Trabant. Der Zusammenstoß hat sich nach den Berechnungen der Forscher vor 4,425 Milliarden Jahren ereignet.

Im Sonnensystem herrschte zu jener Zeit das komplette Chaos. Das Aussehen der Erde, die damals erst 140 Millionen Jahre alt war, hatte nichts zu tun mit dem Bild des Planeten, das wir heute kennen. Auf der Erde schlugen ohne Unterlass kleinere und größere Brocken auf, die sich in der die Sonne umkreisenden Scheibe aus Staub und Gas gebildet hatten. Auf der Erdoberfläche floss in Folge dieses Bombardements ein Magmaozean. In diesen Lavasee krachte dann der von der Wissenschaftlern Theia genannte große Himmelskörper.

Theia habe beim Einschlag die Erde bis in mehrere tausend Kilometer Tiefe vollends aufgeschmolzen und riesige Mengen Material aus dem Erdmantel ins All geschleudert. Von diesem kleinen Planeten sei nach der Kollision keine Spur geblieben, aus dem ins All geschleuderten Material beider Himmelskörper bildete sich der Mond, erklärt DLR-Professorin Doris Breuer.

Auch der junge Mond, so die Wissenschaftler, sei erst einmal glutflüssig gewesen. Unter einer schnell erstarrenden, dünnen Kruste habe er lange Zeit aus einem Meer flüssigen Gesteins bestanden. Bei der Beantwortung der Frage nach dem Alter des Erdtrabanten komme es nun wesentlich darauf an, wie lange es dauert, bis aus einem glutflüssigen Himmelskörper von knapp 3500 Kilometern Durchmesser der durch und durch erstarrte Mond wird. Diesen Zeitraum glauben die Forscher nun mit der höchsten bisher möglichen Genauigkeit bestimmt zu haben: 200 Millionen Jahre lautet die Antwort von Maxime Maurice vom Berliner DLR-Institut für Planetenforschung. Wenn man die Ergebnisse dieser Simulation mit Analysedaten des Apollo-Mondgesteins kombiniere, die aus unterschiedlichen Phasen der Erstarrung des Mondes stammten, lasse sich die Entwicklung des Erdtrabanten von seinen Anfängen bis zum heutigen Tag berechnen.