Kunststoff-Füllungen halten 30 Jahre

Wissen : Kunststoff-Füllungen haben ein langes Leben

Zahnkunststoffe können Karieslöcher problemlos drei Jahrzehnte verschließen, berichten Mediziner der Uni Witten Herdecke.

(byl) Amalgam als Zahnfüllung ist out. Seit Mitte der 1980er Jahre verdrängen sogenannte Composite-Materialien das wegen seines Quecksilbergehalts ins Gerede gekommene Material. Anfangs waren die Zahnkunststoffe zum Verschließen kleiner Löcher im Zahn gedacht, heute werden sie umfassend eingesetzt. Doch wie steht es um die Dauerhaftigkeit dieser neuen Füllungsmaterialien? Dieser Frage sind Wissenschaftler der Uni Witten/Herdecke nachgegangen.

Die Forscher fertigten auf wenige Mikrometer (tausendstel Millimeter) genaue Abdrücke von Füllungen an und untersuchten sie im Rasterelektronenmikroskop. Das Ergebnis sei erstaunlich gewesen: „Wir konnten erstmalig zeigen, dass Zähne mit einer Composite-Füllung über lange Zeit nicht nur halten, sondern sogar immer besser werden“, erklärt Professor Peter Gängler von der Uni Witten/Herdecke.

Während der ersten fünf Jahre hätten zwar alle Füllungen abgebaut, hätten sich danach aber optimal dem Kaumuster angepasst und seien intakt geblieben. Nach zehn Jahren seien bei den untersuchten Zähnen Spalten im Übergang von Füllung zu Zahn mehr und mehr verschwunden. Die Abnutzung sowohl des Zahnschmelzes als auch des Composite-Materials beim Kauen führe dabei zu glatteren Übergängen. „Anpassungsfähige Biomaterialien für Zähne wie Goldlegierungen, Amalgame und Composite tragen deshalb zur Mundgesundheit bei“, erklärt Gängler. Starre Materialien wie Nichtedelmetall-Legierungen und Keramiken wie Zirkonoxide seien dagegen nicht geeignet, „weil sie mit ihrer Härte die Gegenzähne und das Kiefergelenk schädigen“. Es sei kaum bekannt, dass „unsere Zähne auch im Erwachsenenalter immer um genau so viel nachwachsen, wie sie abgekaut werden“. Ein Material, das viel härter sei als der Zahnschmelz, nehme aber an diesem Prozess nicht teil.

Die Zahnforscher errechneten nach fast drei Jahrzehnten eine „Überlebensrate“ von mehr als 71 Prozent der untersuchten Füllungen. Wobei sie aber auch darauf hinweisen, dass nicht nur die Kunststofffüllungen in den Zähnen, sondern auch die Zahl der Teilnehmer ihrer Studie schrumpften. Von den anfangs 197 Patienten der Untersuchung seien bei ihrem Abschluss nur 29 übriggeblieben.

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