Konzentrationsschwächen durchs Internet

Internet : Das Internet vermindert die Konzentrationsfähigkeit

Die Aufmerksamkeitsspanne vieler Menschen wird im digitalen Zeitalter immer kürzer, zeigt eine Untersuchung.

(np) Viele Menschen verbringen heute mehr Zeit vor dem Smartphone als am Arbeitsplatz, hat eine Umfrage der Postbank im vergangenen Jahr gezeigt. Und eine Untersuchung der Uni Bonn, an der 300 000 Personen im Jahr 2015 teilnahmen, kam zum Ergebnis, dass der Durchschnittsnutzer alle 18 Minuten aufs Smartphone schaut und dafür eine andere Tätigkeit unterbricht. Welchen Effekt diese Dauerstörung auf unsere Aufmerksamkeit hat, untersuchen nun Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Sie kommen zum Ergebnis, dass die Aufmerksamkeitsspanne unserer Gesellschaft für ein einzelnes Thema schrumpft.

Die Psychologen untersuchten mit englischen und dänischen Kollegen, wie lange ein Thema, ein Hashtag oder auch ein bestimmter Film beliebt bleiben. Die Daten gewannen sie aus Büchern der vergangenen 100 Jahre, aus Kinokartenverkäufen der vergangenen vier Jahrzehnte, aus 25 Jahre überspannenden wissenschaftlichen Publikationen und Internet-Quellen nach der Jahrtausendwende. Schon allein der Blick auf die Internetdienste mache den Effekt deutlich. Während im Jahr 2013 ein sogenannter Twitter-Hashtag durchschnittlich 17,5 Stunden in der Top-50-Liste blieb, seien es 2016 nur noch 11,9 Stunden gewesen.

„Unsere Daten zeigen, dass die Dauer, in der die Öffentlichkeit Interesse an einzelnen Themen und Inhalten zeigt, immer kürzer wird. Gleichzeitig springt das Interesse immer schneller von einem Thema zum nächsten“, sagt Philipp Lorenz-Spreen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Der Effekt sei offenbar darauf zurückzuführen, dass Menschen nur eine beschränkte „Menge“ an Aufmerksamkeit besitzen, aber immer mehr Themen darum buhlen, erklärt Sune Lehmann, von der Technical University of Denmark (DTU). Nur bei Wikipedia und bei wissenschaftlichen Publikationen zeige sich dieser Effekt nicht. Vermutlich weil diese Medien eher mit Wissen statt mit Neuigkeiten arbeiteten. Als Nächstes wollen die Wissenschaftler die Effekte der Informationsüberflutung auf den einzelnen Internetnutzer untersuchen.

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