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Grippe-Gefahr
„Hände weg von Männerhänden“

Mehr als 16 Mal pro Stunde greifen wir uns im Durchschnitt mit unseren Händen ins Gesicht. (Symbolbild)
Mehr als 16 Mal pro Stunde greifen wir uns im Durchschnitt mit unseren Händen ins Gesicht. (Symbolbild) FOTO: Benny Ulmer / dpa
Heidelberg. Was schützt in der Grippesaison am besten vor Ansteckung? Das Händewaschen. Doch damit nehmen es die meisten offenbar nicht so genau. Von Peter Bylda
Peter Bylda

Das Händewaschen zählt zu den einfachsten, aber besonders wirksamen Methoden, die Grippegefahr zu vermindern, erklärt das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Sich in der Grippesaison die Hände häufig mit normaler Seife zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen, sei statistisch als Vorbeugung wirksamer, als zu versuchen, dem Immunsystem mit Vitaminen auf die Sprünge zu helfen.


Doch mit dieser Einsicht scheint es nicht weit her zu sein, berichten jetzt Studenten der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH-Hochschule Heidelberg (Stiftung Rehabilitation Heidelberg) nach einer Beobachtungsstudie mit 1000 Teilnehmern. Unter der Überschrift „Hände weg von Männerhänden“ warnen sie vor dem infektiösen Handschlag. Kaum eine der Testpersonen, denen die Studenten auf die Finger schauten, wasche seine Hände nach dem Toilettengang richtig.

Mehr als drei Viertel aller ansteckenden Krankheiten werden von Hand zu Hand übertragen. Mit unseren Händen fassen wir uns im Durchschnitt 16 Mal pro Stunde ins Gesicht. Auf diesem Weg ist es für Keime aller Art ein Leichtes, über Mund, Nase und Augen in den Körper zu gelangen.

In ihrem Experimentalpraktikum beobachteten zehn Heidelberger Studenten Besucher mehrerer öffentlicher Toiletten. Die Ergebnisse seien erschütternd gewesen, berichtet die Hochschule. Sieben Prozent der Toilettenbesucher habe gänzlich aufs Händewaschen verzichtet. Ein Viertel habe zur Reinigung nur Wasser benutzt. Mehr als die Hälfte hätten zwar Wasser und Seife eingesetzt, aber nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit gewaschen. Lediglich acht Prozent hätten ihre Hände vorbildlich gereinigt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt hierfür, mindestens 20 Sekunden lang die Finger unter fließendem Wasser zu reinigen – und zwar nicht nur die Handflächen, sondern auch die Fingerzwischenräume.

Zwischen den Geschlechtern gebe es deutliche Unterschiede beim Händewaschen, erklärt die Heidelberger Hochschule. Während mehr als ein Zehntel der Männer den Wasserhahn überhaupt nicht berührt, seien es bei den Frauen nur drei Prozent. Mit Wasser und Seife gingen immerhin 82 Prozent der Frauen gegen die Keime vor, hätten dabei aber oft nicht die nötige Sorgfalt walten lassen. Bei den Männern sei die Quote mit 51 Prozent niedriger gewesen. Der Handkontakt mit Männern bringe also ein höheres Ansteckungsrisiko. „Dieser Unterschied hat uns schon schockiert“, erklärt die SRH-Studentin Jana Zeeb.



Wie es um das Ansteckungsrisiko in öffentlichen Toiletten bestellt ist, das hat eine Untersuchung von Mikrobiologen der Universität Münster gezeigt. Das Forscherteam um Professor Karsten Becker und Dr. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie nahm Abstriche von 400 Türklinken auf 136 Flughäfen in 59 Ländern. In jeder zwanzigsten Probe seien Bakterien der Art Staphylococcus aureus gefunden worden. Einige der Erreger seien gegen Antibiotika resistent gewesen. Darunter seien auch „multiresistente Superkeime“ gewesen. Auch wenn die Belastung der Türklinken insgesamt gering gewesen sei, raten die Wissenschaftler aus Münster zu gründlicher Händehygiene.