Kostenpflichtiger Inhalt: Wissen : Das Tauwetter auf Grönland ist viel schlimmer als gedacht

In jedem Jahr fließt so viel Wasser von der Insel ins Meer, dass sich der Bodensee damit fünfmal füllen ließe, haben Forscher der Uni Dresden errechnet.

(np) Grönland taut ab. Die eisige Insel im Polarmeer verliert heute siebenmal schneller Eis als in den 1990er Jahren, berichtet die TU Dresden. In den 1990er Jahren seien 33 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr abgetaut, mittlerweile sei die Wassermenge auf 254 Milliarden Tonnen pro Jahr gestiegen. Wie die Dresdener Hochschule berichtet, haben die Gletscher der Insel seit dem Jahr 1992 etwa 3,8 Billionen Tonnen Eis verloren. Das Schmelzwasser sorgte dafür, dass der globale Meeresspiegel um gut einen Zentimeter stieg.

Eine Milliarde Tonnen entspricht der Masse von einem Kubikkilometer Wasser. Um sich eine Vorstellung von den Eisverlusten Grönlands zu machen, hilft ein Vergleich mit dem Bodensee. Der hat ein Volumen von ungefähr 50 Kubikkilometern, das entspricht 50 Milliarden Tonnen Wasser. Grönland verliert heute also pro Jahr das fünffache Volumen des Bodensees an Wasser. Die Dresdener Forscher werteten in einem internationalen Team aus 50 Wissenschaftseinrichtungen Daten von elf Satellitenmissionen aus. Dazu gehörte auch Grace (Gravity Recovery and Climate Experiment), ein Satellit der Esa. „Die unterschiedlichen Messverfahren, die in der Studie zusammengeführt werden, liefern übereinstimmende Ergebnisse“, erklärt Professor Martin Horwath. Der Eisverlust Grönlands trage zu mehr als einem Fünftel zum derzeitigen globalen Meeresspiegelanstieg bei.

Würden sämtliche Gletscher auf dem Globus schmelzen, stiege der Meeresspiegel um knapp 50 Zentimeter, haben im Jahr 2013 Forscher der Universität Innsbruck errechnet. Würde das gesamte Grönland-Eis zu Wasser, stiege der Meeresspiegel um sechs Meter. Noch mehr Eis ist in der Antarktis gespeichert. Deren Eispanzer enthält die zehnfache Eismasse Grönlands.