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Glühender Planet entdeckt

Der heißeste Planet : Ein Planet, so heiß wie eine kleine Sonne

Das Weltraumobservatorium Cheops hat in einem Nachbar-Sonnensystem einen glühenden Riesenplaneten entdeckt.

Astronomen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt haben mit dem Ende des vergangenen Jahres gestarteten Weltraumteleskops Cheops der europäischen Weltraumagentur Esa einen mehr als ungewöhnlichen Exoplaneten entdeckt. Der WASP-189b genannte Riesenplanet ist 326 Lichtjahre von uns entfernt, und seine Oberfläche ist so heiß wie ein kleiner Stern, berichten die Kölner Weltraumforscher. Mit einer Oberflächentemperatur von 3200 Grad Celsius zähle er zu den heißesten der über 4000 bekannten Exoplaneten. Bei dieser Hitze schmilzt Gestein und die meisten Metalle werden gasförmig. Zum Vergleich: Die Temperatur an der Oberfläche unserer Sonne beträgt ungefähr 6000 Grad Celsius. Es gibt allerdings auch Zwergsterne, deren Oberflächentemperatur nur halb so hoch ist.

Der ultraheiße Planet hat etwa den 1,6-fachen Durchmesser des Jupiter, des größten Planeten unseres Sonnensystems. Verglichen mit der Erde ist sein Durchmesser 20-mal so groß. Er ist aber auch in anderer Hinsicht extrem ungewöhnlich, erklärt Szilárd Csizmadia vom DLR-Institut für Planetenforschung. „Seine Bahn um seinen Stern ist seltsam gekippt.“

Cheops ist auf die Suche nach Planeten fremder Sonnen spezialisiert. Das Weltraumteleskop umkreist die Erde in 700 Kilometern Abstand und kann die winzige Verdunkelung eines Sterns registrieren, die entsteht, sobald ein Planet auf seiner Bahn von der Erde aus gesehen vor ihm vorüberzieht. Aus diesen extrem präzisen Messungen lasse sich unter anderem die Temperatur des Planeten ableiten, erklärt das DLR.

Die Frage, warum WASP-189b so heiß ist, ist leicht zu beantworten. Er bewegt sich in einem Abstand von nur 7,5 Millionen Kilometern einmal in 65 Stunden um seinen Stern. Das ist ein Zwanzigstel des Abstands der Erde von der Sonne. Der Heimatstern von WASP-189b ist verglichen mit unserer Sonne ein Riese. Mit einem Durchmesser von 2,3 Millionen Kilometern ist er zweieinhalbmal so groß und an der Oberfläche mindestens 2000 Grad heißer. Doch das Ungewöhnlichste an WASP-189b ist seine Umlaufbahn, erklären die DLR-Astronomen. Sie führe ihn nicht in der Äquatorebene um den Stern, was normal ist, wenn sich eine Sonne und ihre Planeten aus einer gemeinsamen Gas- und Staubscheibe entwickelt haben. Seine Bahn führt über die Pole dieses Sterns hinweg.

Jetzt rätseln die Astronomen: Wie gelangte dieser Planet in diesen Orbit? Dazu gibt es bisher lediglich Vermutungen. Er könnte von der Schwerkraft anderer Planeten in diese Bahn gedrängt worden sein. Aber auch die Gravitation eines anderen großen Sterns wäre in der Lage gewesen, die Umlaufbahn des Riesenplaneten so stark zu verlagern.

Die Abkürzung Cheops ist abgeleitet von der Bezeichnung seiner Mission: „Characterising Exoplanet Satellite“. Der Esa-Satellit hat die Größe eines Kühlschranks, er ist 1,5 Meter hoch. Sein Grundriss ist sechseckig. Mit einer Startmasse von rund 280 Kilogramm ist Cheops ein Winzling am Himmel. Hubbles kleiner Bruder hat nur einen Spiegeldurchmesser von gut 33 Zentimetern, das ist achtmal weniger als das große Weltraumfernrohr. In seiner Spezialdisziplin ist Cheops Hubble jedoch deutlich überlegen. Der Kleinsatellit hat die Aufgabe, 500 Sterne in der kosmischen Nachbarschaft der Erde auf Planeten zu untersuchen. Cheops soll dabei nicht nur fremde Sonnensysteme nachweisen, sondern mit zusätzlich gewonnenen Messdaten die Dichte der Planeten bestimmen. Das ermöglicht es den Forschern, zwischen Himmelskörpern aus Gestein (wie Erde und Venus), aus Eis (wie Pluto) und Gas (Saturn) zu unterscheiden. So soll der Kreis erdähnlicher Planeten eingegrenzt werden.