Flugzeuge tragen stärker zum Klimawandel bei als gedacht

Fliegen : Der Flugverkehr ist weit schädlicher als bisher gedacht

Wolken, die sich aus Kondensstreifen von Düsenmaschinen bilden, verstärken den Treibhauseffekt, erklärt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

(np) Die Auswirkungen des Flugverkehrs auf das Klima sind bisher unterschätzt worden, erklären Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR untersuchte Effekte von Kondensstreifen der Düsenmaschinen, aus denen sich in den typischen Flughöhen zwischen acht und zwölf Kilometern Wolken bilden können, sogenannte Kondensstreifen-Zirren. Rußpartikel aus dem Abgasstrahl der Triebwerke wirken dabei als Kondensationskeime für Wassertropfen, die sofort gefrieren.

Die Eiswolken können sich stundenlang in dieser Höhe halten und je nach Sonnenstand, Bodenbeschaffenheit und natürlicher Wolkendecke sowohl kühlen als auch die Atmosphäre erwärmen. Weil ein Teil der Solarstrahlung von den Wolken reflektiert wird, sinkt die Temperatur. Die Wolken verstärken aber auch den Treibhauseffekt, weil Wärmestrahlung der Erde nicht ins All abgegeben werden kann. Nach neuesten Forschungsergebnissen überwiege dabei der Treibhaus- den Kühleffekt, erklärt das DLR.

Dieses Phänomen sei bisher unterschätzt worden. „Kondensstreifen tragen in ähnlichem Ausmaß zur Erwärmung der Atmosphäre bei wie die gesamten CO2-Emissionen von Flugzeugen seit Beginn der Luftfahrt“, erklärt das DLR. Die DLR-Studie „Atmospheric Chemistry and Physics“ zeige, dass sich die Klimawirkungen von Kondensstreifen bis 2050 verdreifachen könnten. Das sei in den bisherigen Klimamodellen nicht berücksichtigt worden. „Es ist wichtig, die Auswirkungen der Kondensstreifen-Zirren auf das Klima zu untersuchen“, sagt deshalb Lisa Bock vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre. Und ihre Kollegin Ulrike Burkhardt geht davon aus, dass diese Klimaeffekte des Luftverkehrs eine immer bedeutendere Rolle spielen werden, weil die CO2-Emissionen pro Passagier und Kilometer sinken. Über Nordamerika und Europa – hier ist der Luftverkehr am dichtesten – werden die Klimaauswirkungen durch Kondensstreifen mit Abstand die größte Rolle spielen, sagt das DLR voraus. Aber auch Asien sei stark betroffen. Entscheidend für die Bildung der Wolken sei, wie viele Rußpartikel welcher Größe ein Triebwerk ausstößt. Es sei deshalb sehr wichtig, den Rußanteil zu verringern. Allerdings werde das am Ende wohl nicht genügen: Selbst wenn die Emissionen auf ein Zehntel reduziert werden könnten, „wird es wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Klimaauswirkung von Kondensstreifen auf das Niveau von 2006 zu begrenzen“, sagt Ulrike Burkhardt.

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