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Feinschliff für den Reise-Porsche

Neuvorstellung : Der Reise-Porsche kann auch Rennstrecke

Mehr Komfort, Dynamik und Leistung: Beim Panamera gelingt Porsche sozusagen die Quadratur des Kreises, gerät dabei jedoch in Sphären jenseits des Alltags.

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Porsche Panamera von Kritikern als „fetter Elfer“ gescholten wurde. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich der vielleicht flotteste Reisewagen längst im Segment der Oberklasselimousinen etabliert. Mehr als 278 000 Panamera hat Porsche seit 2011 in alle Welt hin verkauft, seit 2016 ist die zweite Generation auf dem Markt.

An Leistung und Fahrdynamik, aber auch am Langstreckenkomfort gab es bislang wenig auszusetzen. Trotzdem haben die Porsche-Ingenieure jetzt bei der jüngsten Modellpflege noch einmal an allen Stellschrauben gedreht, um den luxuriösen Viertürer in nahezu jeder Disziplin zu verbessern.

Der Feinschliff für Dämpfer, Elektronik und Lenkung diente dazu, Fahrkomfort, Abrollverhalten und Kurvenstabilität der luxuriösen Limousine auf ein neues Niveau zu heben. Dazu gibt es geänderte Lager für Motor und Achsen sowie neue Reifen und, wen wundert‘s, nicht zuletzt mehr Leistung.

Am auch preislich oberen Ende der Modellpalette rangiert nun der neue, mindestens 179 737 Euro teure Turbo S. Ihm hat Porsche nicht nur ein neues Bugteil mit größeren seitlichen Lufteinlässen, sondern auch deutlich mehr Kraft spendiert. Der Turbo S übernimmt den 4,0-Liter-V8-Biturbo-Benzinmotor aus dem bisherigen Spitzenmodell Panamera Turbo, das nicht mehr angeboten wird. Mit 80 PS/59 kW mehr auf nunmehr 630 PS/463 kW Leistung erstarkt, wurde das Modell auf Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit getrimmt. Beides ist im öffentlichen Straßenverkehr jedoch ohne jegliche Bedeutung. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert im Turbo S nur 3,1 Sekunden, der Vortrieb endet erst bei 315 km/h.

Beeindruckend, wie leichtfüßig und präzise der Panamera selbst engste Kurven nimmt. Dass dabei ein über fünf Meter langes und mehr als zwei Tonnen schweres Gefährt bewegt wird, vergisst man beinahe völlig. Scheinbar mühelos bewältigt der Panamera den Spagat zwischen luxuriöser Reiselimousine und Rennstreckentauglichkeit.

Wie viel an (Quer-)Dynamik in ihm steckt, hat der Turbo S gerade auf der legendären Nürburgring-Nordschleife eindrucksvoll unter Beweis gestellt. In 7:29,81 Minuten absolvierte Porsche-Testfahrer Lars Kern die 20,832 Kilometer lange Runde und stellte damit einen neuen Rekord in der Kategorie Oberklasse auf.

Auch der 4,0-Liter-V8 im Panamera GTS leistet mit 480 PS/353 kW jetzt 20 PS/15 kW mehr als bisher. Im Basis-Panamera für 91 345 Euro, der als einzige Version nicht über alle vier, sondern ausschließlich über die hinteren Räder angetrieben wird, arbeitet weiterhin der 330 PS/243 kW starke 2,9-Liter-V6-Biturbo.

Einen kräftigen Diesel sucht man im Motorenprogramm vergebens. Stattdessen ergänzt Porsche das Elektroangebot. Rund 60 Prozent aller europäischen Kunden setzen im Panamera bereits auf einen Plug-in-Hybrid. Porsche wäre nicht Porsche, wenn nicht auch die an der Steckdose aufladbaren Versionen auf Höchstleistung getrimmt wären. Die Kundschaft erwartet schließlich unabhängig vom Antrieb jederzeit echtes Porsche-Feeling.

Der neue 4S E-Hybrid zum Preis von wenigstens 126 841 Euro sortiert sich mit einer Systemleistung von 560 PS/412 kW zwischen dem 462 PS/340 kW starken 4 E-Hybrid und dem Turbo S E-Hybrid mit 680 PS/500 kW ein, der wie der Basis-Elektriker zum Jahresende neu aufgelegt wird und dann sogar auf 700 PS/515 kW erstarken könnte.

Im 4S E-Hybrid hat Porsche den 2,9-Liter-V6-Biturbo (440 PS/324 kW) mit einem 136 PS/100 kW starken Elektromotor kombiniert, der in das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert ist. Stolz sind sie in Zuffenhausen auf die um 30 Prozent vergrößerte elektrische Reichweite, die nach WLTP-Norm jetzt 54 Kilometer beträgt. Das dürfte bei vielen Kunden für die Fahrt ins Büro und zurück reichen, einen gemäßigten Gasfuß natürlich vorausgesetzt.

Die Kapazität der neuen Batterie, die um fünf Kilogramm schwerer, aber nicht größer geworden ist, steigt von 14,1 kWh auf 17,9 kWh. Der Akku sitzt unterhalb des Ladebodens und schränkt den Kofferraum nicht ein. Zwischen 403 und 1242 Liter (Sport Turismo 418 bis 1287 Liter) Gepäck können eingeladen werden.

Äußerlich haben sich die Fließhecklimousine, der kombiähnliche 4+1-Sitzer Sport Turismo und die in Asien und Nordamerika sehr erfolgreiche, 5,20 Meter lange Executive-Version mit langem Radstand kaum verändert. Mit Ausnahme der neuen Spitzenmotorisierung Turbo S erhalten alle Panamera serienmäßig die bisher aufpreispflichtige Sport- Design-Front mit markanteren Lufteinlassgittern und einzeiliger Bugleuchte. Dazu kommen ein durchgehendes Leuchtenband am Heck, neue 20- und 21-Zoll-Räder und zwei frische Außenfarben.

Keine Revolution hält der luxuriöse, bestens verarbeitete Innenraum bereit. Das Porsche Communication Management (PCM) wartet aber mit verbesserter Online-Sprachbedienung und Bildschirmen mit höherer Auflösung auf.

 Das Cockpit bietet jetzt Bildschirme mit höherer Auflösung und eine verbesserte Sprachbedienung.
Das Cockpit bietet jetzt Bildschirme mit höherer Auflösung und eine verbesserte Sprachbedienung. Foto: Porsche

Die feinfühlige Lenkung, die uns auf ersten Testfahrten so beeindruckte, stammt aus dem aktuellen 911. Am Raumangebot auch auf den hinteren Plätzen gab es ohnehin nichts zu mäkeln, genauso wenig wie am alltagstauglichen Gepäckraum des Panamera.