| 20:53 Uhr

Kosmos
„Ein ganz eklatanter Fall von kosmischem Diebstahl“

Der Planet KELT-9b wird von seiner Sonne aufgefressen.
Der Planet KELT-9b wird von seiner Sonne aufgefressen. FOTO: dpa / M. Weiss
Heidelberg. (np) Wenn ein Planet im All das Attribut „höllisch“ verdient hat, dann ist es dieser. Astronomen des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg haben in rund 620 Lichtjahren Entfernung von der Erde einen sogenannten Exoplaneten untersucht, dessen Oberfläche auf der sonnen­enzugewandten Seite 4500 Grad heiß ist.

Das ist mehr als auf der Oberfläche mancher Sterne gemessen wird; die Oberfläche unserer Sonne ist rund 5500 Grad heiß. Der KELT-9b genannte Planet gelte damit als Rekordhalter im All, schreibt das Heidelberger Institut.


Die Hitze ist so hoch, weil der Riesenplanet von der dreifachen Größe des Jupiter – das entspricht der tausendfachen Größe der Erde  – auf einer extrem engen Umlaufbahn um einen sehr heißen Stern kreist. Die Oberflächentemperatur dieses Himmelskörpers beträgt rund 10 000 Grad. KELT-9b ist zusätzlich zehnmal näher an seinem Heimatstern als Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems.

Astronomen bezeichnen Riesenplanten dieses Typs auf solchen Orbits auch als „Heiße Jupiter“. Im Fall von KELT-9b haben die Heidelberger Astronomen Fei Yan und Thomas Henning herausgefunden, dass dieser Planet von seiner Sonne buchstäblich aufgefressen wird.  Die immense Hitze habe seine Wasserstoffatmosphäre nicht nur extrem aufgebläht, die ungeheure Schwerkraft des Sterns sorge zudem dafür, dass Teile des Planeten abgesaugt werden. Das habe sich immer dann gezeigt, wenn der Planet aus Sicht der irdischen Astronomen vor seinem Stern vorübergezogen sei. KELT-9b verliere so in jeder Sekunde mehr als 100 000 Tonnen Wasserstoffgas. Der Planet werde dadurch mit Sicherheit einen wesentlichen Teil seiner selbst verlieren – seine Atmosphäre. Und das sei zweifellos „ein eklatanter Fall von kosmischem Diebstahl“, schreibt das Max-Planck-Institut.