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Ein kleines Land mit großen Plänen

Die Internationale Raumstation ISS erhält im kommenden Jahr Besuch von Raumfahrern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die Internationale Raumstation ISS erhält im kommenden Jahr Besuch von Raumfahrern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. FOTO: dpa / ---
Dubai. Die Vereinigten Arabischen Emirate schicken im kommenden Jahr erstmals eigene Astronauten in den Weltraum.

In Dubai, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), steht das höchste Gebäude der Welt. Der Burj Khalifa ragt fast 830 Meter hoch in den Himmel. Doch das Land am Persischen Golf will viel höher hinaus – in den Weltraum. Im April des kommenden Jahres soll der erste Emirati zur Internationalen Raumstation ISS fliegen, teilten die russische Raumfahrtagentur RKA und die VAE mit.


Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in Europa investiert das Land am Persischen Golf seit gut einem Jahrzehnt große Summen in die Raumfahrt. Dabei kooperiert es mit Organisationen und Unternehmen in den USA und Europa ebenso wie mit Russland, Japan und Südkorea. Bereits im Jahr 2007 wurde in Dubai mit staatlichen Geldern das erste Unternehmen für Satellitenkommunikation Yahsat gegründet. Europäische Raumfahrtunternehmen bauten im Auftrag zwei hochmoderne Kommunikationssatelliten, Yahsat 1A und Yahsat 1B, die im Frühjahr und Herbst 2011 ins All geschossen wurden. Einmal mit einer europäischen Ariane-, das andere Mal mit einer russischen Proton-Rakete.

Die Satelliten werden vom Mohammed bin Rashid Space Centre gesteuert und sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Seit dem Jahr 2014 haben die Vereinigten Arabischen Emirate eine eigene Raumfahrtagentur. Das Budget der UAESA (UAE Space Agency) soll nach Angaben von Raumfahrtanalysten in der Zeitschrift Space News rund 5,5 Milliarden US-Dollar (4,7 Milliarden Euro) betragen. Weil darunter auch Investitionen im Ausland fallen, sind die Zahlen nur schwierig mit den Raumfahrtausgaben anderer Nationen zu vergleichen. Welche Bedeutung dieses Thema für die Föderation am Golf mit nur neun Millionen Einwohnern hat, zeigt gleichwohl der Vergleich mit der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Deren Budget für dieses Jahr ist mit 5,6 Milliarden Euro nicht wesentlich höher.



Für Aufmerksamkeit in Fachkreisen sorgten die im Dezember 2017 mit der russischen Raumfahrtagentur RKA geschlossenen Verträge. Sie sehen eine Ausbildung von vier Astronauten aus den VAE im sogenannten Sternenstädtchen bei Moskau und den Flug mit Sojus-Raumschiffen zur ISS vor.

Der erste arabischen Raumfahrer sind die VAE-Piloten allerdings nicht. Das war 1985 der saudische Prinz Sultan bin Salman Al-Saud, der damals zum Beweis der amerikanisch-saudischen Partnerschaft an Bord eines Space Shuttle ins All flog. Ihm folgte zwei Jahre später der Syrer Muhammed Faris. Auch sein Flug sollte ein politisches Symbol sein und diesmal die russisch-syrische Freundschaft dokumentieren. Faris flog zur MIR-Station und verbrachte dort zwei Wochen. Heute lebt er als Flüchtling in der Türkei.

Im April 2019 soll nun der erste Kurzzeitbesuch eines Astronauten aus den VAE folgen. Im Jahr 2021, zum 50. Jahrestag der Gründung der VAE, will das Land am Persischen Golf einen oder zwei Astronauten auf eine mehrmonatige Langzeitmission zur ISS senden. Es ist geplant, dass sie gemeinsam mit ihren Kollegen aus Russland, den USA, Europa und Japan Experimente in der Schwerelosigkeit durchführen. In den nächsten Wochen werden vier Astronauten-Kandidaten im Sternenstädtchen bei Moskau ihr Training aufnehmen.

Ihren großen Reichtum verdanken die VAE den reichen Vorkommen an Erdöl und Erdgas. Doch die Quellen sind nicht unerschöpflich, und die Welt setzt immer stärker auf erneuerbare Energiequellen. Um wirtschaftlich mit dieser Entwicklung mitzuhalten, investiert der Staat in die Hochschul-Ausbildung der Jugend. Eines der konkreten Forschungsprojekte, an denen Studenten aus den VAE und den USA arbeiten, ist die erste arabische Marssonde Al Amal („Hoffnung“). Im Sommer 2020 soll sie an Bord einer japanischen H-IIA-Trägerrakete vom Startzentrum auf Tanegashima starten.

Neun Monate später wird Al Amal in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten eintreten und soll dort die dünne Marsatmosphäre untersuchen. Für Tests und Trainings soll außerhalb von Dubai auf einer Fläche von 200 000 Quadratmetern das größte und modernste Mars-Forschungszentrum der Welt entstehen. Darin werden Wissenschaftler aus aller Welt an zukünftigen Technologien für bemannte Marsmissionen arbeiten.

www.space.gov.ae