| 20:39 Uhr

Wissen
Die Tigermücken sind in Europa auf Eroberungstour

Asiatische Tigermücken sind weltweit als Überträger gefährlicher Infektionskrankheiten gefürchtet.
Asiatische Tigermücken sind weltweit als Überträger gefährlicher Infektionskrankheiten gefürchtet. FOTO: dpa / CDC
Frankfurt. Die asiatische Insektenart, die mehrere gefährliche Krankheitserreger übertragen kann, breitet sich mit dem Klimawandel unaufhaltsam nach Norden aus.

(np) Biologen der Goethe-Universität Frankfurt und der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung gehen davon aus, dass sich in den kommenden Jahrzehnten auch in Europa Infektionskrankheiten verbreiten werden, die bisher nur in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet sind und die von Stechmücken übertragen werden. Dazu zähle die Asiatische Tigermücke, die sich in den kommenden Jahren in Europa weiter verbreiten werde. Der Klimawandel habe der Mücke den Weg in den Norden Europas geöffnet.


Da die Tigermücke sich erst seit drei bis vier Jahrzehnten aus Süd- und Südostasien in den Norden auszubreiten beginne, habe sie noch nicht sämtliche für sie geeigneten Lebensräume erobert, erklärt Professor Sven Klimpel. Das unterscheide sie von der Gelbfiebermücke, die sich vor vier Jahrhunderten durch den zunehmenden Sklavenhandel aus Afrika auf andere Kontinente zu verbreiten begann.

Die Gelbfiebermücke überträgt Viren, die Infektionskrankheiten wie Gelbfieber, Dengue und Zika auslösen. Die Tigermücke kann zusätzlich das West-Nil- und das Chikungunya-Virus übertragen. Sie sei in Südeuropa heute fast flächendeckend verbreitet und werde sich auch in Nordeuropa unaufhaltsam ausbreiten. Weitere exotische Mückenarten wie die Asiatische Buschmücke dürften folgen, erklärt Klimpel.



Das Zika-Virus machte vor zwei Jahren in Deutschland Schlagzeilen. Die Olympiade in Brasilien schürte damals große Ängste, dass sich das Virus global ausbreiten könnte. Mit rund 65 Millionen betroffenen Menschen gehörte der Ausbruch des Zika-Fiebers in Südamerika zu den größten Epidemien der Vergangenheit, erklärte das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung. Die Krankheit kann, wenn sich die Mutter in einer frühen Phase der Schwangerschaft mit dem Virus infiziert, beim Neugeborenen zu Fehlbildungen des Gehirns führen.

Die Tigermücke werde mittlerweile zu den hundert schlimmsten invasiven Arten gezählt. Sie reise unter anderem in Ladungen gebrauchter Autoreifen, in denen sich kleine Wasserlachen lange halten, und in den Wasserbehältern von Zierpflanzen um die Welt. Der entscheidende Faktor für die Verbreitung dieser Insekten sei die Temperatur im Winter. Zwar sterben Larven und Puppen der Tigermücken bei unter elf Grad mittlerer Jahrestemperatur, ihre Eier können jedoch bis zu minus zehn Grad Celsius aushalten.