Die Silberameise hält den Weltrekord

Rekord im Tierreich : Die schnellste Ameise der Welt

Die Sahara-Silberameise gilt als die schnellste Vertreterin ihrer Art auf der Erde. Könnte sich ein Leichtathlet so schnell bewegen wie diese Insektenart, dann stünde der Weltrekord im 100-Meter-Lauf bei 0,5 Sekunden.

(np) Sie sucht Nahrung, wenn andere Siesta halten. Die Silberameise geht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der arabischen Halbinsel auf Beutejagd. In dieser extrem lebensfeindlichen Umgebung kommen ihr ihre exzellente Navigationsfähigkeit und ihr Lauftalent zugute. Das Insekt gilt als schnellste Ameise der Welt. Sie erreicht auf dem mehr als 60 Grad heißen Sand eine Geschwindigkeit von fast einem Meter pro Sekunde, berichten Wissenschaftler der Uni Ulm. Das sind 3,5 Kilometer pro Stunde. Ein menschlicher Spaziergänger ist mit etwa 5 km/h nicht sehr viel schneller.

Um als Ameise in der Wüste überleben zu können, sind besondere Fähigkeiten nötig: Die Insekten müssen ausdauernd sein, wenn sie Futter finden wollen. Meist sind das in der Hitze verendete andere Insekten. Außerdem brauchen sie einen ausgeprägten Orientierungssinn, um schnell zurück in ihr Nest zu finden.

Obwohl es ihr gedrungener Körperbau nicht vermuten lässt, ist die Sahara-Silberameise (Cataglyphis bombycina) ein Wüstenflitzer, berichten die Forscher um Professor Harald Wolf und Dr. Sarah Pfeffer. Die Tiere erreichten deutlich höhere Geschwindigkeiten als größere Ameisenarten in der Wüste. Wie schaffen sie das? Das haben die Ulmer Wissenschaftler in Videoaufzeichnungen analysiert.

„Wir haben nach grabenden Silberameisen Ausschau gehalten oder sind jagenden Tieren zurück zum Nest gefolgt“, erklärt Sarah Pfeffer. Die Forscher brachten einen mit Sand ausgelegten Aluminiumsteg am Nest an und lockten die Ameisen mit Mehlwürmern. Mit einer Videokamera wurden dabei die Bewegungen der Tiere aufgezeichnet.

Dabei maßen die Forscher in der heißen Wüstensonne Spitzengeschwindigkeiten von deutlich über 0,8 Meter pro Sekunde. Das bedeutet, dass die Tiere in der Sekunde 108-mal ihre eigene Körperlänge zurücklegen. Auf den Menschen übertragen, müsste ein 100-Meter-Sprinter die olympische Distanz in 0,5 Sekunden überwinden. Mit ihrer Sprintleistung sichern sich die Insekten einen Platz unter den schnellsten Tieren der Welt – neben einer australischen Sandlaufkäferart und einer in Kalifornien vorkommenden Milbe.

Den direkten Konkurrenten, die Wüstenameisenart „Cataglyphis fortis“ – sie schafft nur 50 Körperlängen pro Sekunde – deklassiert die Silberameise. Dabei hatten die Forscher um Wolf und Pfeffer der erheblich mehr zugetraut. Denn mit maximal 6,8 Millimetern sind die Beine der Silberameise um fast 20 Prozent kürzer als die der der langbeinigen Verwandtschaft. „Diesen offensichtlichen Nachteil müssen die Silberameisen durch einen besonderen Laufstil wettmachen“, erklären die Forscher.

In ihrer Videoanalyse stellten sie fest, dass diese Tiere bis zu 47 Schritte in der Sekunde machen. Sie verfallen in eine Art Galopp, wobei sich zeitweise alle Beine gleichzeitig in der Luft befinden. Wenn eine Silberameise anzieht, kann sie ihre Schrittlänge sogar vervielfachen.„Insgesamt zeigen die Silberameisen eine annähernd perfekte Koordination. Die drei zusammengehörigen Beine arbeiten beinahe synchron. Jedes Bein berührt den Boden nur sieben Millisekunden“, resümiert Sarah Pfeffer.

Der besondere Laufstil ist durch den Lebensraum der Silberameisen zu erklären. Sie bewegen sich auf Sanddünen. Hier bieten schnelle und perfekt koordinierte Bewegungen einen Vorteil. Die verwandte Ameisenart Cataglyphis fortis lebt in der Salztonebene auf festgebackenem, völlig ebenen Untergrund wo der Laufstil weniger wichtig ist. Die Ulmer Forscher wollen die Wüstenflitzer nun weiter untersuchen und dabei den Fokus vor allem auf die Muskelkontraktion der schnellsten Ameise der Welt richten.

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