Die Nasa will zurück zum Mond

Raumfahrt : Die Nasa stolpert zurück zum Mond

Schon in fünf Jahren sollen US-Astronauten auf dem Erdtrabanten landen – doch bisher fehlt der Nasa eine Landefähre.

„Der Adler ist gelandet“. Mit diesen Worten gab der US-Astronaut Neil Armstrong im Jahr 1969 die erste Landung von Menschen auf dem Mond bekannt. In nur fünf Jahren sollen wieder US-Astronauten auf dem Erdtrabanten landen. Jedenfalls, wenn es nach den Plänen der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa geht. Die Vereinigten Staaten sehen sich in einem neuen Mond-Wettlauf mit der zur Weltmacht aufstrebenden Volksrepublik China. Den Raumfahrtingenieuren aus Fernost war es Anfang dieses Jahres erstmals gelungen, einen Roboter auf der erdabgewandten Seite des Mondes zu landen.

Während Israel und Indien kürzlich bei ihren Versuchen scheiterten, ebenfalls Sonden auf Lunas Oberfläche abzusetzen, baut die Volksrepu­blik im Fernen Osten bereits Sonden, die in einem Jahr Bodenproben zur Erde bringen sollen. Höhepunkte sollen in den 2030er Jahren die Landung chinesischer Raumfahrer – sie werden als Taikonauten bezeichnet – und der Bau einer Mondbasis sein. Sie wäre vergleichbar mit den Forschungsstationen in der irdischen Antarktis.

Langjährige Raumfahrtanalysten wie John Logsdon, Ex-Direktor des Instituts für Raumfahrtpolitik an der George-Washington-Universität, räumen China gute Chancen ein, als erste Nation eine Frau auf den Mond zu bringen. Weltpolitisch wäre das ein Zeichen, das von allen Menschen verstanden wird. Vermutlich auch deshalb hat der US-Vize-Präsident Mike Pence bereits im März angekündigt, dass der nächste Mensch auf dem Mond eine Amerikanerin sein solle. Bei der Realisierung des Versprechens gibt es jedoch ein großes Problem: Nach dem Ende des Apollo-Mond-Programms vor 47 Jahren besitzt die Nasa keine Mondlandefähre mehr. Das nach dem Abbruch des Space Shuttle-Programms im Jahr 2004 von US-Präsident George Bush verkündete neue Mondprojekt hatte dessen Nachfolger Barack Obama aus Kostengründen eingedampft. Übrig blieb nur die neue Raumkapsel Orion und die aus Elementen des Space Shuttles und der Saturn-V-Oberstufe des Apollo-Projekts entwickelte Schwerlastrakete SLS (Space Launch System). Damit sind Rundflüge um den Mond und Exkursionen zu Kleinplaneten möglich, die auf ihrer Umlaufbahn der Erde bis auf einige hunderttausend Kilometer nahe kommen. Allerdings kann eine Orion-Raumkapsel dort nicht landen. Damit Nasa-Astronauten wieder auf dem Mond Fuß fassen können, hat die Nasa ein neues Förderprogramm ausgeschrieben. Ein Dutzend Firmen will mitmachen, darunter große Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin.

Ebenfalls dabei ist das in Pittsburgh heimische Start-up „Astrobotic“, das den für den Lunar-Google-X-Prize bestimmten Mondlander Peregrine entwickelte. Dieses von der Internet-Suchmaschine Google ins Leben gerufene Programm sah ein Preisgeld von 20 Millionen Dollar für das Unternehmen vor, das als erstes ein privat finanziertes Mondprojekt erfolgreich abschließt. Es wurde allerdings im vergangenen Jahr gestoppt, weil keinem Teilnehmer auch nur der Start einer Sonde gelang. Auch der Amazon-Gründer und Multimilliardär Jeff Bezos ist mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin mit von der Partie. Es entwickelt einen automatischen Mondlander von ähnlicher Größe wie die Landefähre der Apollo-Ära.

Idealerweise sollen die künftigen Mond-Fähren ab dem Jahr 2024 den Pendelverkehr von Astronauten zwischen einer künftigen Raumstabtion im Mondorbit und einer internationalen Forschungsbasis auf der Mond-Oberfläche übernehmen. Doch da gilt es, eine neue Hürde zu nehmen. So ist die Finanzierung nicht geklärt. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass es für die Raumfahrerinnen aus den USA im neuen Mondwettlauf diesmal nur zum zweiten Platz reichen wird.

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