Die Nasa will 2026 eine Drohne auf den Saturnmond Titan schicken

Raumfahrt : Diese Drohne fliegt zum Saturn

Mit einer Drohne von der Größe eines Kleinwagens wollen Forscher der Raumfahrtagentur Nasa im kommenden Jahrzehnt den fernen Saturnmond Titan unter die Lupe nehmen. Der Mond ähnelt in einigen Punkten der Erde.

Hier ragen hohe Gebirge in den Himmel, es gibt Flüsse und  Seen so groß wie das Kaspische Meer. Es gibt Wanderdünen und Geysire. Nebel liegt in der Luft. Von Zeit zu Zeit toben Stürme. Das klingt beim ersten Hören wie eine Beschreibung der Erde? Gemeint ist der Mond Titan, der den 1,4 Milliarden Kilometer entfernten Planeten Saturn umkreist. Die Beschreibung geht auf Aufzeichnungen der europäischen Sonde Huygens zurück, die im Januar 2005 dort landete. Die Sonde Cassini, mit der sie acht Jahre lang zum Saturn geflogen war, umkreiste danach weitere 13 Jahre den Riesenplaneten, zog 127-mal dicht am Titan vorbei und zeichnete eine grobe Karte seiner Oberfläche.

Titan ist der einzige Mond in unserem Sonnensystem, der eine Atmosphäre besitzt, die dichter als die der Erde ist. Diesen Vorteil wollen Forscher des Applied Physics Laboratory (APL) der Johns-Hopkins-University in Baltimore nutzen, um seine Oberfläche aus der Luft mit einer Drohne zu erkunden. Wie die US-Raumfahrtagentur Nasa erklärt, soll diese Sonde im Jahr 2026 starten. Acht Jahre später soll „Dragonfly“, so lautet ihr Name, in die Atmosphäre des Saturnmondes eintauchen.

Dragonfly soll zunächst auf der Oberfläche landen – erst danach beginnt das eigentliche Abenteuer. Die acht Rotoren der drei Meter großen Flugdrohne werden auf Befehl von der irdischen Bodenstation in Betrieb genommen und der sogenannte Doppel-Quadrocopter erhebt sich in die Lüfte.

„In der Titan-Atmosphäre zu fliegen ist leichter als auf der Erde“, erklärt Elizabeth Turtle, Projektleiterin  am APL. Da die Atmosphäre dichter ist, gibt es dort mehr Auftrieb. Allerdings kann die Drohne wegen der riesigen Entfernung von der Erde und den daraus resultierenden langen Funklaufzeiten von über einer Stunde nicht von einer Bodenstation aus ferngesteuert werden. Sie muss weitgehend selbständig fliegen und landen.

Gegenüber automatischen Rovern hat die Drohne den Vorteil, größere Gebiete erkunden zu können. Geplant ist, während der etwa dreijährigen Missionsdauer eine Strecke von über 180 Kilometern durch die Luft zurückzulegen.

Die Energie für den Flug und die wissenschaftlichen Instrumente an Bord der Drohne soll ein thermoelektrischer Radioisotopen-Generator liefern. Diese Atombatterie erzeugt elektrische Energie aus dem Zerfall eines radioaktiven Elements, in diesem Fall Plutonium. Auch die Cassini-Mission, die im Jahr 1997 startete, hatte eine solche Plutonium-Batterie an Bord. Solche Batterien nutzen ein nicht atomwaffenfähiges Isotop des giftigen Schwermetalls Plutonium. Die Mission löste damals große Proteste von Umweltschützern aus. Die Raumfahrtagentur Nasa verzichtete später auf den Einsatz weiterer Sonden mit dieser Energiequelle.

Von den in Flug­richtrichtung voraus und senkrecht nach unten blickenden Kameras von Dragonfly erwarten die Wissenschaftler spektakuläre Bilder von Dünenfeldern, Flussbetten und Gebirgsketten nahe dem Äquator.

Spektrometer und Sensoren sollen Messungen während des Fluges und bei bis zu 20 Zwischenlandungen am Boden vornehmen. „Ein Hauptziel ist die Erforschung der Zusammensetzung des Oberflächenmaterials“, so Elizabeth Turtle im Raumfahrtmagazin Space News. Die Forscher hoffen,  organische Kohlenwasserstoff-Verbindungen zu finden, die als Vorstufen des Lebens angesehen werden.

Diese „Dragonfly“ genannte Drohne soll den Saturnmond Titan untersuchen. Foto: nasa

Bei Temperaturen von minus 180 Grad Celsius am Boden wäre erdähnliches Leben allerdings kaum zu erwarten. Einige Astrobiologen halten es jedoch für möglich, dass in fünf bis sieben Milliarden Jahren, wenn sich unsere Sonne zu einem roten Riesenstern aufbläht, die Umweltbedingungen auf dem Titan jener der Erde, wie wir sie heute kennen, gleichen werden. Dann könnte auf dem fernen Saturnmond neues Leben entstehen. Die Erde wird zu diesem Zeitpunkt allerdings schon lange in den äußersten Schichten der extrem heißen Sonnenatmosphäre verglüht sein.

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