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Das Smartphone verrät Psychologen viel über seinen Benutzer

Kleiner Spion : Im Smartphone spiegelt sich unsere Persönlichkeit

Psychologen der Uni München entschlüsseln mit einem Computerprogramm die Charaktereigenschaften von Menschen allein über ihre Handynutzung.

(np) Unsere Smartphones sind verräterisch. Wer die Datenspuren auswerten kann, die hunderte Millionen Menschen mit ihren Geräten im Internet hinterlassen, weiß am Ende alles über sie. Und dieses Wissen reicht weit über das Konsumverhalten hinaus, berichten Psychologen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Die Daten ermöglichten einem Computerprogramm, automatisierte Rückschlüsse auf die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen zu ziehen, erklärt ein Psychologen-Team um den LMU-Professor Markus Bühner.

Die Münchner Forscher untersuchten in ihrer Studie das Verhalten von 624 Versuchsteilnehmern an ihren Smartphones. Sie hatten zuerst einen umfangreichen Persönlichkeitsfragebogen ausfüllen müssen und ließen dann zu, dass die Wissenschaftler ihnen einen Monat mit einer eigens für diesen Zweck entwickelten App (Phonestudy) am Smartphone quasi über die Schulter schauten. Und diese App wollte alles wissen: Wer mit wem kommuniziert, welche Musik der Besitzer des Handys hört, wann er telefoniert und wann er schläft.

Die Daten des Persönlichkeits­tests und die Informationen der App habe schließlich ein KI-Programm der Hochschule mit Verfahren der Mustererkennung unter die Lupe genommen. Fünf Aspekte hätten dabei im Fokus der Forschungsgruppe gestanden. Die Münchner Psychologen nennen sie die „Big Five“. Sie stehen für Charakteristika der menschlichen Persönlichkeit. Es geht um Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extrovertiertheit, Verträglichkeit und emotionale Stabilität.

Die Schlussfolgerungen des lernfähigen Computerprogramms hätten in vielen Punkten mit den Selbsteinschätzungen der Benutzer im Persönlichkeitstest übereingestimmt, erklären die Psychologen der LMU München. Das Kommunikations- und Sozialverhalten auf dem Smartphone zeige zum Beispiel, wie extravertiert sich jemand einschätzte, Informationen zum Tag-Nacht-Rhythmus hätten viel über die Gewissenhaftigkeit gesagt.

Dass solche Forschung Begehrlichkeiten bei großen IT-Unternehmen wecken könnte, sei der Forschergruppe klar gewesen, sagt Dr. Clemens Stachl. Er empfiehlt aus diesem Grund, über das Thema Künstliche Intelligenz neu nachzudenken. „Der Mensch und nicht die Maschine muss im Mittelpunkt der Forschung stehen. Wir dürfen maschinelle Lernmethoden nicht unreflektiert nutzen.“