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Das planen die Raumfahrtnationen in diesem Jahrzehnt

Raumfahrt : Zurück zum Mond und dann zum Mars

Die Raumfahrtnationen haben große Ambitionen. Doch hinter vielen Ankündigungen stehen bisher Fragezeichen.

(dpa) In nur fünf Jahren sollen wieder US-Astronauten auf dem Erdtrabanten landen. Jedenfalls, wenn es nach den Plänen der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa geht, die der Ehrgeiz treibt, nach dem ersten männlichen Astronauten auch die erste Frau zum Erdtrabanten zu bringen. Der Plan erscheint angesichts der Tatsache, dass die USA nach dem Ende des Apollo-Programms zwar eine Raumkapsel, aber keine Mondlandefähre besitzen, äußerst ambitioniert. Doch das ist bei Planungen der Raumfahrt ja bekanntlich die Regel. Was ist in diesem Jahrzehnt von den Raumfahrtnationen noch zu erwarten? Hier eine Übersicht:

USA: Die oberste Priorität für die US-Raumfahrtagentur Nasa hat das Weiße Haus vorgegeben. Bis 2024 sollen der nächste Mann und die erste Frau auf dem Mond landen – beide sollen Amerikaner sein, wie US-Vizepräsident Mike Pence ankündigte. Zeitplan und Budget des Programms Artemis sind allerdings knapp bemessen. Rakete und Transportkapsel sind weit davon entfernt, einsatzbereit zu sein. Um den Mond soll dann eine Raumstation kreisen und als Basis für Landungen auf dem Erdtrabanten und in fernerer Zukunft für einen bemannten Flug zum Mars dienen. 2020 soll zumindest schon mal der nächste unbemannte Rover zum Mars fliegen.  Der Roboter baut auf dem Prinzip des 2012 gestarteten Marsrovers Curiosity auf.

Russland: Moskau setzt darauf, dass die Bauarbeiten am Weltraumbahnhof Wostotschny nahe der chinesischen Grenze bald abgeschlossen sind. Sie ziehen sich in die Länge, obwohl die Anlage schon 2016 eröffnet wurde und dort bereits Raketen gestartet sind. Das ehrgeizigste Ziel der russischen Raumfahrtagentur in den nächsten Jahren bleibt der Flug zum Mond. 2031 soll dort der erste Kosmonaut landen. Ingenieure entwickeln derzeit eine schwere Rakete, die auch größere Bauteile zum Erdtrabanten bringen kann. Parallel dazu stehen weitere Flüge zur Internationalen Raumstation an. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos will an dem Außenposten vorerst festhalten. Bei bemannten Flügen dorthin will Russland künftig mit mehr Ländern zusammenarbeiten, etwa mit der Türkei und Saudi-Arabien.

China: Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde verfolgt ein ambitioniertes Raumfahrtprogramm, das auch den Mars und den Mond als Ziele hat. Erst im Januar 2019 setzte eine chinesische Sonde erstmals auf der Rückseite des Erdtrabanten auf. Auf Chang‘e 4 soll eine weitere unbemannte Mission folgen, bei der Gesteinsproben zurück zur Erde gebracht werden. Bis spätestens 2030 soll erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen.

In diesem Jahr steht der Start der ersten chinesischen Mars-Mission an. Ein Rover soll im Sommer zur rund achtmonatigen Reise zum Roten Planeten aufbrechen. Zudem könnte der Start des ersten Moduls für Chinas neue Raumstation erfolgen. Sie soll kleiner ausfallen als die ISS, die 240 Tonnen wiegt. Die 60 bis 100 Tonnen schwere Tianhe 1 wird aus einem Kern- und zwei Experimentiermodulen bestehen. Drei bis sechs Astronauten sollen für längere Zeit darin leben können. Die Station soll von einem Weltraumteleskop begleitet werden, das zur Versorgung und Wartung angedockt werden kann.

Europa: Für Europa steht der Start der neuen Trägerrakete Ariane 6 im Fokus. Sie soll Ende des Jahres zum Jungfernflug starten. Ihre Vorgängerin, die Ariane 5, ist seit mehr als 20 Jahren im Einsatz. Gestartet ist die Sonnensonde „Solar Orbiter“ der Europäischen Weltraumorganisation (Esa). Sie erforscht den sogenannten Sonnenwind, die Partikelstrahlung der Sonne. Diese hochenergetische Strahlung kann Satelliten, aber auch Einrichtungen auf der Erde gefährlich werden.

Die Esa kann künftig mit mehr Geld rechnen. Die 22 EU-Mitgliedsländer erhöhten das Budget. Unter anderem wurde die Hera-Mission zur Asteroiden-Abwehr bewilligt. Dabei soll berechnet werden, ob und wie Asteroiden umgelenkt werden könnten, die der Erde gefährlich nahe kommen. Auch das Thema Erdbeobachtung wird weiter eine große Rolle spielen. Geplant sind etwa bessere Messungen des CO2-Ausstoßes. Zudem ist die Esa an der Mondmission der Nasa beteiligt.

Frankreich hat spezielle Ambitionen: Wie auch in anderen Ländern ist eine Space Force für Frankreich ein großes Thema. Präsident Emmanuel Macron hatte im vergangenen Sommer ein militärisches Weltraumkommando angekündigt. Besonders die Kapazitäten zur Überwachung sollen ausgebaut werden. Ein Ziel ist es demnach, Satelliten besser vor möglichen Angriffen zu schützen. Frankreichs Vorstoß ist innerhalb Europas eine Premiere. Bis 2030 soll das Programm einsatzfähig sein. Auch Staaten wie die USA, Russland, China und Indien bauen ihre Möglichkeiten für Weltraumkonflikte aus.

Indien: Das indische Weltraumprogramm ist ambitionierter geworden. Das Budget ist um 15 Prozent erhöht worden. 2021 will das Land Astronauten ins All schicken. Später sollen eine Mission zur Venus und eine eigene Weltraumstation folgen.

Der Mars ist das nächste große Ziel der Raumfahrtnationen. Foto: nasa
Mit der neuen Orion-Raumkapsel will die US-Raumfahrtagentur Nasa in den nächsten Jahren zum Mond und später auch zu weiter entfernten Zielen im All fliegen. Foto: Nasa/NAsa
So könnte eine Station auf dem Mond aussehen. Foto: ESA/Foster + Partners

Japan: Die Hightech-Nation will sich an der Nasa-Mission beteiligen, die ab Mitte der 2020er Jahre den Bau einer Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes vorsieht. Japan und die Vereinigten Staaten einigten sich kürzlich darauf, ihre gemeinsamen Raumfahrtaktivitäten mit dem Ziel zu verstärken, eines Tages die Erkundung des Mars durch den Menschen zu ermöglichen. So plant Japans Raumfahrtagentur Jaxa zwei Nano-Satelliten für die US-Mond-Mission Artemis. Japan hofft zudem, eines Tages eigene Astronauten zum Mond schicken zu können. Mit dem größten Autobauer des Landes, Toyota, will Jaxa einen Rover entwickeln, der dann im Jahr 2029 zum Mond geschickt werden soll. Zudem investiert die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in die Entwicklung diverser Satelliten, die unter anderem zur Erforschung des Klimawandels dienen sollen.

(dpa)