Das größte Flugzeug der Welt ist eine fliegende Startrampe

Luftfahrt : Ein Flugzeug so groß wie ein Fußballfeld

Das Unternehmen Stratolaunch will eine riesige Düsenmaschine als fliegende Startrampe für Raketen benutzen.

Es gibt sie noch, die weißen Flecken auf der Landkarte, wo kein Internet-Empfang möglich ist. Nicht nur über weiten Teilen der Ozeane, sondern auch in den meisten Gebirgen und in dünn besiedelten Gebieten gibt es keinerlei digitale Kommunikation über den konventionellen Mobilfunk. Erreichbar ist man dort meist nur über Satellitenfunk. Und das ist extrem teuer.

Doch schon binnen fünf Jahren könnte sich das ändern. Flotten von etlichen hundert Satelliten sollen dann um die Erde kreisen und eine globale mobile Kommunikation mit einer Geschwindigkeit von 2,5 bis 3 Terabit pro Sekunde zu Cent-Preisen möglich machen. Damit sei viel Geld zu machen, haben Analysten des Beratungsunternehmens Euroconsult berechnet. Sie sagen für die kommenden Jahre gute Geschäfte für kommerzielle Startdienstleister von Kleinsatelliten voraus, deren Masse 100 bis 200 Kilogramm beträgt. Die Zahl der jährlichen Satellitenstarts könnte von derzeit knapp 100 auf das Zehnfache steigen.

Um Kosten zu drücken, setzen Unternehmen wie Airbus Defence and Space in Europa und SpaceX in den USA auf die Fließbandfertigung und den Start vieler Satelliten mit einer Rakete. Dennoch könnten große Weltraumzentren wie Cape Canaveral, Kourou und Baikonour demnächst an Kapazitätsgrenzen stoßen, da die Zeit von minimal zwei Wochen zwischen Endmontage, Überprüfung und Startvorbereitung kaum mehr zu unterbieten ist. Hier wittert das US-Unternehmen Stratolaunch seine Chance. Die Mitarbeiter um den ehemaligen Nasa-Ingenieur und Chef der auf Leichtbau spezialisierten Flugzeugfirma Scaled Composites, Burt Rutan, haben ein Riesenflugzeug entwickelt, von dem aus Satelliten mit einer kleinen Rakete ins All geschossen werden können. Vor wenigen Wochen startete der neue Riesenflieger namens Roc erstmals. Das Monstrum, das in den Himmel über der kalifornischen Mojave-Wüste aufstieg, hat eine Spannweite von 117,3 Metern. Es gleicht ein wenig einem Katamaran, besitzt es doch zwei 65 Meter lange Rumpfsektionen, zwischen denen eine bis zu 35 Meter lange Trägerrakete befestigt und in elf Kilometer Höhe transportiert werden kann. Dort wird die Startrakete ausgeklinkt und bringt ihre Nutzlast ins All. Alternativ könnten drei kleinere Trägerraketen für Satelliten oder eine Raumfähre für Kurzausflüge von Raumfahrttouristen mitgenommen werden, erklärte der Geschäftsführer von Scaled Composites, Jean Floyd, gegenüber dem Online-Raumfahrt-Infodienst SpaceOnline. Den Namen Roc haben die Entwickler aus den Märchen von Tausendundeine Nacht übernommen. Er steht für einen sagenhaften Riesenvogel, über den auch der italienische Weltreisende Marco Polo im 13. Jahrhundert berichtete.

Die fliegende Startrampe Roc hat sechs Düsentriebwerke. Die beiden Rumpfsektionen des Flugzeugs sind 65 Meter lang. Es kann bis zu 35 Meter lange Raketen transportieren. Foto: stratolaunch

Satellitenstarts von einem Trägerflugzeug haben mehrere Vorteile gegenüber dem Start von einer konventionellen Plattform. Die Rakete benötigt grundsätzlich weniger Treibstoff und durch eine geschickte Wahl der Startregion lässt sich noch zusätzlich Energie sparen. Das bedeutet, dass auf die unterste Raketenstufe verzichtet werden kann, was die Kosten senkt. Auch ermöglicht eine mobile Startplattform mehrere Satellitenstarts täglich. Wann die fliegende Plattform zum ersten echten Einsatz abhebt, ist noch nicht bekannt.

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