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So schädigen Abgase unsere Haut
Auch die Haut braucht Schutz vor Feinstaub

Feinstaub ist nicht nur schädlich für die Lunge, sondern auch für die Haut. Wie diese Belastung neutralisiert werden kann, ist nun auch ein Thema der wissenschaftlichen Forschung.
Feinstaub ist nicht nur schädlich für die Lunge, sondern auch für die Haut. Wie diese Belastung neutralisiert werden kann, ist nun auch ein Thema der wissenschaftlichen Forschung. FOTO: Narendra Shrestha / dpa
Saarbrücken. Die Luftverschmutzung ist gefährlicher als gedacht. Denn schädlicher Feinstaub kann den äußeren Schutzmantel unseres Körpers durch- dringen – unsere Haut. Von Maren Peters

Wie und vor allem wie schnell wir altern, hängt nur zum Teil von unseren Genen ab. Entscheidender sind der Lebensstil und äußere Einflüsse. Allgemein bekannt ist, dass unsere Haut durch das UV-Licht der Sonne schneller altert. Deshalb enthalten die meisten Tagescremes einen Lichtschutzfilter. Wie sehr andere Umweltfaktoren auf uns wirken, zeigen Untersuchungen jedoch erst nach und nach. „Eine unserer Studien hat ergeben, dass der verkehrsbedingte Feinstaub nicht nur die Lunge, sondern auch die Haut stark belastet“, erklärt Jean Krutmann, Leiter des Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf.  „Wer häufig hohen Abgaswerten ausgesetzt ist, bildet zum Beispiel deutlich mehr Altersflecken aus, Melasmen genannt.“ Manche Menschen haben sogar genetisch speziell ausgeprägte Geweberezeptoren, sodass bei den Betroffenen die dunklen Flecken besonders leicht entstehen.



Luftschwebstoffe sind Träger organischer, fettlöslicher Verbindungen. Fachleute sprechen von  polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen. Diese Partikel können in die Haut eindringen und biochemische Reaktionen auslösen. Die Gewebestruktur wird geschädigt und erschlafft, es bilden sich Falten und dunkle Flecken. „Ganz neu entdeckt haben wir, dass nicht nur die in den Abgasen enthaltenen Kohlenstoffpartikel, also der Ruß, das Gewebe angreifen, sondern auch das von Dieselfahrzeugen ausgestoßene Stickoxid“, erklärt Jean Krutmann. Bisher war auch für Stickoxide lediglich eine Schädigung der Lunge erwiesen. Damit bekommt der Abgasskandal eine weitere gesundheitliche Facette.  Besonders brisant sind die Studienergebnisse der Düsseldorfer Forschergruppe zu Kindern und Senioren. Sie sind anfälliger für Umwelteinflüsse und Schadstoffe als Menschen mittleren Alters. Interessant wird es daher für die Wissenschaftler sein, in einigen Jahrzehnten zu sehen, wie sich die aktuellen Umweltbelastungen auf diejenigen auswirken, die heute im Kindesalter sind.

Jetzt schon bekannt ist, dass ältere Menschen durch die Luftverschmutzung stärker unter Ekzemen leiden. In Industriegebieten wie an der Ruhr scheint dies nicht verwunderlich, pumpten hier doch bis vor einigen Jahren Industrieschlote große Mengen Abgase in die Luft. Das sieht heute anders aus. Doch Krutmann warnt: „Die moderne Luftverschmutzung ist zwar unsichtbar, aber weit gefährlicher. Die Partikel sind kleiner, können leichter und tiefer in den Körper eindringen und sind so viel reaktiver.“

Um umweltbedingte Hautschäden zu verhindern, bietet die Kosmetikindustrie seit Kurzem sogenannte Anti-Pollution-Pflegeserien an. Diese Produkte sollen die Haut vor Umweltgiften schützen, indem sie sie von Ablagerungen befreien und die Hautbarriere stärken. „Vor allem scheint es sich bei derartigen Kosmetika um einen neuen Trend zu handeln“, dämpft  allerdings Maja Hofmann, Dermatologin und Leiterin des Bereichs Ästhetik und Lasermedizin an der Berliner Charité, in diese Produkte gesetzte Erwartungen. „Es liegen bislang keine gesicherten wissenschaftlichen Studien vor, die zeigen, dass etwa eine Creme die Umweltbelastung der Haut senken könnte.“

Unser Körper wird von einer Hornhautschicht, dem Stratum corneum, vor Fremdkörpern, mechanischen Belastungen und dem Austrocknen geschützt. Diese äußere Schicht der Oberhaut besteht größtenteils aus Keratin, einem Protein, und wird durch Talg geschmeidig und wasserabweisend. „Sicherlich kann eine Creme in manchen Fällen bedingt zusätzlich schützen, zum Beispiel wenn der Hauteigenschutz nicht optimal funktioniert“, meint Maja Hofmann. Allerdings nur in dem Rahmen, wie eine intakte Hautabwehr es selbst könnte. Wenn die Pflege auf die Hautbedürfnisse abgestimmt ist, unterstützt sie auch deren Barrierefunktion. Auch spezielle Reinigungslotionen, die die Haut gründlich von anhaftenden Partikeln und Fett oder Talg befreien, erfüllen ihren oberflächlichen Zweck. „Feinstaub gehört auch zu den sich auf der Hautoberfläche im Tagesverlauf ansammelnden Substanzen“, sagt Hofmann. „Es ist durchaus sinnvoll, Gesicht und Hände vor dem Zubettgehen umfassend zu reinigen.“ Das können aber nicht nur die neuen Anti-Pollution-Produkte. Neben hautschonenden Gesichtswässern sind etwa auch sanfte Ultraschallbürsten oder Peelings eine Alternative. Kosmetika sind laut Definition und Gesetz nur oberflächlich wirksam. Sonst wären sie medizinische Produkte und müssten für ihre Zulassung wesentlich umfassendere klinische Tests durchlaufen. „Wirklich effektiv würden die Präparate nur wirken, wenn sie etwa das Eindringen der Schadstoffe in die Haut oder die Reaktionen im Gewebe verhindern könnten“, sagt Umweltmediziner Krutmann. „So etwas gibt es jedoch derzeit noch nicht.“ Derzeit forscht Krutmann mit seiner Arbeitsgruppe an einem derartigen Wirkstoff, „Sim Urban“ genannt.



Bei allen Analysen und kosmetischen Strategien muss immer auch berücksichtigt werden, dass die körpereigene Abwehr tagsüber aktiver ist als nachts. „In der Nacht repariert der Organismus vermehrt entstandene Schäden, am Tag bekämpft er eher Eindringlinge“, erläutert Krutmann. Zudem zeigen die laufenden Studien immer weitere Zusammenhänge. So verstärkt zum Beispiel blaues Licht die Bildung von Altersflecken.

Und nicht nur der Straßenverkehr lässt die Haut schneller altern. Brennstoffe schädigen grundsätzlich die Hautstrukturen und fördern Falten. Das gilt für Autoabgase draußen genauso wie für Kaminfeuer drinnen. Besonders deutlich ist das in China zu beobachten, wo in Großstädten beinahe Dauersmog herrscht. „In den ländlichen Gebieten, fern von Verkehr und Industrie, sieht es aber oft kaum besser aus“, erzählt Krutmann. Hier altern die Menschen schneller durch die offenen Kochstellen und Heizöfen. In Deutschland besteht diese Gefahr kaum. Die Luftverschmutzung allein greift die Haut schon ordentlich an. Kommt noch UV-Strahlung hinzu, verstärken sich die Prozesse gegenseitig. Auch mit dem Gas Ozon gibt es Wechselwirkungen. Sicher ist: Alle drei Faktoren schädigen die Hautstruktur. Wie sie sich jedoch zusammen auswirken, ist unbekannt. Auch auf diese Frage sucht Krutmanns Gruppe nach Antworten.

Neben Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor kann die Ernährung beim Hautschutz helfen. Obst und Gemüse enthalten viele Substanzen, sogenannte Antioxidantien, die über den Stoffwechsel im Gewebe eingelagert werden. Vor allem die Carotinoide Lycopen und Lutein, reich enthalten in Karotten und Tomaten, verleihen der Haut einen gelbgoldenen Ton und wirken als Sonnenschutz und Radikalfänger. „Durch gesunde Ernährung mit vielen Früchten, Salat und Gemüse kann man sich einen leichten Sonnenschutz anessen und dadurch seine Hautalterung positiv beeinflussen“, sagt Jean Krutmann. Zumindest für UV-Strahlen ist dies nachgewiesen und funktioniert gut.

Wahrscheinlich wirken diese gegen Lichtalterung erfolgreichen Antioxidantien auch gegen Angriffe auf die Haut durch Luftschadstoffe. Darauf deuten erste Untersuchungen der Forscher  hin. „Belastbare Studien dazu gibt es aber noch nicht, es muss noch viel geforscht werden“, bremst Krutmann hochfliegende Erwartungen. Auch bezüglich anderer Lichtspektren, wie etwa des Infrarotlichts, ist die Wirkung einer an Antioxidantien reicher Ernährung noch nicht untersucht. Um die Haut vor diesen Strahlen zu schützen, bleiben bisher nur Cremes. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst empfiehlt auch die Berliner Charité-Hautärztin Maja Hofmann: „Darauf sollte jeder immer achten. Verstärkt dann, wenn der Körper außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt ist, unabhängig welcher Art.“