This (Is What I Wanted To Tell You): Erschreckend kühl und befremdlich

CD-Tipp : Wie Leute, die eigentlich gar keine Lust mehr haben

✮ Lambchop: „This (Is What I Wanted To Tell You)“: Erschreckend kühl und geradezu befremdlich.

Als Lambchop vor exakt einem Vierteljahrhundert mit „I Hope You’re Sitting Down“ an den Start gingen, waren Kurt Wagner und seine Streicher- und Bläser-Bigband das denkbar köstlichste Gegenmittel zum hektischen und teils auch ziellosen Pop-Treiben jener Ära. Diese Nashville-Crew zauberte in ihrer (nur scheinbaren) Antriebslosigkeit Melodien, die an Schönheit und Anmut nicht zu überbieten waren. Die Nachfolger „How I Quit Smoking“ und „What Another Man Spills“ perfektionierten diese hoch willkommene Spielart sogar noch. Allmählich indes wandelte sich Wagners Genie in pures Phlegma. Schon „FLOTUS“ (2016) war zu Zweidritteln nur noch schwer zu ertragen. Und nun, dreizehn Alben nach dem magischen Debüt, klingen Lambchop endgültig wie Leute, die eigentlich gar keine Lust mehr haben, Musik zu machen. Sieben von acht Songs ihres neuen Albums „This (Is What I Wanted to Tell You“ (City Slang/Rough Trade ✮) plätschern ereignislos dahin und des Sängers Stimme klingt durch die allgegenwärtige Vocoder-Bearbeitung erschreckend kühl, geradezu befremdlich. Die abschließende, wunderbar intime Zweieinhalb-Minuten-Perle „Flowers“ rettet immerhin fast den zweiten Punkt… Keine Ahnung, wie die Band sich mit einem Schlafmittel namens „This (Is What I Wanted To Tell You)“ zur geplanten Tour aufrappeln soll. Sogar Hamburgs Elbphilharmonie wurde gebucht.

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