The Monochrome Set und Comet Gain präsentieren neue Alben

Post-Punk-Legenden unter sich : Wundersam einnehmende Tapete

Post-Punk-Brillanz von den britischen Bands The Monochrome Set und Comet Gain.

Tapete Records hat sie alle reichlich nach Hamburg geholt. 1. Die Klassiker: Robert Forster, Andreas Dorau, Pete Astor. 2. Die ewigen Geheimtipps: Downpilot, Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen, The Proper Ornaments. Und 3. die heißen Newcomer: Jaguwar, Elva, Die Höchste Eisenbahn.

Zur ersten Kategorie zählen natürlich auch The Monochrome Set, zur mittleren Comet Gain – zwei Londoner Bands, die es wahrlich wert sind, regelmäßig in den Fokus gerückt zu werden…

Foto: Tapete Records

The Monochrome Set zählen neben Edwyn Collins’ Orange Juice zur Speerspitze aller sogenannten Post-Punk-Legenden, die bald nach der 76/77er-Punk-Revolte auf den Plan traten – und zwar mit einer famos quirligen Mixtur aus überschwänglichem Gitarren-Pop, weißem Soul und New Wave-Zickigkeit. Punk-Energie und Arrangement-Finesse waren plötzlich keine Widersprüche mehr, sie fanden vielmehr auf wundersam einnehmende Weise zusammen. „Eligible Bachelors“ (1982) und „The Lost Weekend“ (1985) sind kultig verehrte Zeugnisse dieser unwahrscheinlichen Brillanz. Auch spätere Werke der Band – wie zuletzt 2016 „Cosmonaut“ – waren nie weniger als hörenswert. Der Hintergrund zu „Fabula Mendax“ (Tapete Records ✮✮✮✮) klingt ambitioniert: die Texturen basieren auf Handschriften des 15. Jahrhunderts, die von einer Gefährtin der legendären Johanna von Orleans verfasst wurden. So geht es also um kriegslüsterne Ritter, intrigante Adelsfrauen, ruchlose Bischöfe… Wer das vertiefen möchte: gerne. Man darf sich aber auch einfach dem vertraut verspielten Klang dieser zehn Weisen hingeben – dem feinen Geklimper, Geklöppel, Georgel, Geschrabbel und Gestreiche der Akteure um Mastermind Sid. Dieser weiß erneut mit seiner ausdrucksstarken Stimme zu becircen. Franz Ferdinand, Belle & Sebastian und andere sind nicht zufällig bekennende Fans.

Foto: Tapete Records

Wäre „Fireraisers Forever !“ (Tapete Records ✮✮✮✮✮) als verschollenes Meisterwerk der Post-Punk-Ära angepriesen werden, man würde es glauben. Hat man die (allzu) rüde Punk-Eröffnung „We’re All ­Fucking Morons“ überstanden, starten die Comet Gains durch – mit von Orgel und Saiten gleichermaßen beseeltem, köstlich nach vorne gespieltem Garage-Pop. Sixties-Charme inklusive. Es ist ein so wütender (Brexit! Klimakrise!) wie melodieseliger Rausch psychedelischer ­Entfesselung – aufgenommen in einem Wohnzimmer! Genre-Koryphäe James Hoare (The Proper Ornaments) hat produziert, Joseph Harvey-Whyte (The Hanging Stars) addiert eine waidwunde ­Pedal Steel. „Wutpopbonbons“ steht im ­Info-Zettel. Welch brillante Formulierung!