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The Jayhawkes veröffentlichen ihr aktuelles Album „XOXO“

Neues Album : The Jayhawkes sorgen für Gänsehaut

✮✮✮✮✮✮ Mit ihrem Album „XOXO“ hat die Band ein weiteres Meisterstück geschaffen.

Jene beiden – alle weiteren Veröffentlichungen dieser beeindruckenden Karriere überstrahlenden – Meisterwerke heißen „Hollywood Town Hall“ (1992) und „Tomorrow The Green Grass“ (1995). Jeder Verehrer schillernder Americana hält sie in Ehren – und es gibt sogar Menschen – zu denen sich auch der Rezensent zählt – die diese beiden The Jayhawks-Blaupausen sogar den besten Wilco-Alben vorziehen. Als Parallele zu Wilco ist indes zu bemerken, dass der Output der letzten zehn, zwölf Jahre mit dem Frühwerk nicht mehr mithalten konnte.

Aber nun das hier: ein Album, das an die frühen Geniestreiche anknüpft! Obwohl (oder gerade?), weil dieses seltsam betitelte Werk einen ganz neuen Ansatz verfolgt. Songhandschriftliche Demokratie war angesagt. Alle vier Band-Mitglieder sollten endlich aus dem Schatten des großen Gary Louris treten.

Und wie sie das tun! Keyboarderin Karen Grotberg trägt mit den bezaubernden, emotional ungemein dichten Balladen „Ruby“ und „Across My Field“ zwei Höhepunkte bei, die sie auch gleich selber (ganz köstlich) singt. Beide Songs werden via Pedal Steel des begnadeten Eric Heywood mit Country-Feeling aufgeladen. Für weitere Veredelung sorgt John Jackson’s famoser Geigenstrich. Doch zurück zur Band: Bassist Marc Perlman verfasste „Down To The Farm“ und bei ihm entstand ebenfalls The Jayhawks-Untypisches, auch er singt höchstpersönlich die Lead Vocals – und im Teamplay mit seinen kongenialen Mitstreitern entstand eine Glanztat an (Gesangs-)Raffinesse, Leichtigkeit und Lieblichkeit. Schlagzeuger Tim O’Reagan ist für die rockigeren Tracks zuständig. „Society Pages“ gleitet mit psychedelischem Flair auf der ergiebigen R.E.M./Sonic Youth-Schiene, „Looking Up Your Number“ überzeugt wiederum als magischer Rock-Upgrade eines Leisetreter-Stückes der Marke Elliott Smith.

Das Cover des neuen Albums Foto: Membran

Nun aber zum (Ex-?)Chef. Natürlich ist Gary Louis für die Band-typischeren Lieder von „XOXO“ (Thirty Tigers) zuständig. „Living In A Bubble“ rechnet mit den Auswüchsen moderner Medien ab und torkelt mit einem HonkyTonk-Piano grandios durch die Rillen (ja: hier lohnt unbedingt das Vinyl!). Man liebt halt auch einfach diese unfassbar weiche, klare, vibrierende, starke Stimme. Wie auch bei „Homecoming“, das tatsächlich und lustigerweise wie ein (toller) Wilco-Song klingt…  Unter den Gemeinschaftsarbeiten erweist sich „Bitter Pill“ als überragend. Inmitten all dieser so wunderbar ineinander greifenden Gitarren diverser Couleur ragt eine Mandoline heraus. Und was hier stimmlich in die Waagschale geworfen wird, ist Gänsehaut treibender noch als sonst. Womit dieses Lied sich mit Macht als Kandidat für die ewige The Jayhawks-Top Ten bewirbt – und „XOXO“ für die Jahres-Top Ten der besten Alben 2020.