Ride, Temples, Mystery Jets und Girl Band stellen neue Alben vor

Neues von der Insel : Hymnisch, rockig, schräg und wirr

Neue Alben aus dem Vereinigten Königreich von Ride, Temples, Mystery Jets und Girl Band.

Ride zählten zu den bekanntesten Shoegaze-Bands der Neunziger Jahre. Seit 2014 sind Mark Gardener, Andy Bell, Steve Queralt und Laurence Colbert wieder aktiv. „This Is Not a Safe Place“ (Wichita/[PIAS]/Rough Trade ✮✮✮✮) ist nach „Weather Diaries“ das zweite Album seit ihrem Comeback. Ob es an ihrem Produzenten, DJ Erol Alkan, liegt, dass die Songs so tanzbar sind? Jedenfalls ist es erstaunlich, wie frisch und lebendig Ride 31 nach ihrer Gründung in Oxford noch klingen. Ihre Songs sind ungemein eingängig – so zum Beispiel die beschwingten „Future Love“, „Repetition“ oder „Jump Set“ an. Auf der anderen Seite zeigen Ride in „Eternal Recurrence“ ihre lethargische, in „Shadows Behind The Sun“ ihre balladeske und in dem an Sonic Youth erinnernden „Fifteen Minutes“ ihre verspielte Seite. Well done!

Foto: Rough Trade

Zum Trio geschrumpft sind Temples, die Psychedelic Rock-Band aus dem englischen Kettering. Die hatte 2014 mit ihrem Debütalbum „Sun Structures“ fulminant losgelegt, aber drei Jahre später mit „Volcano“ und ihren Synthiepop-Eskapaden enttäuscht. Und jetzt? „Hot Motion“ (ATO/[PIAS]/Rough Trade ✮✮✮✮) beginnt schon mal verheißungsvoll. Der eröffnende Titelsong ist hymnisch und rockig; dem Synthiepop scheinen sie erfreulicherweise wieder den Rücken gekehrt zu haben. Und ja, „Hot Motion“ ist ein Schritt zurück und damit in die richtige Richtung, will meinen: zum auf alt getrimmten Psychedelic Rock, den sie mit vielen Gesangsharmonien kombinieren. So gut wie ihr Debüt ist das Album nicht, eine Versöhnung aber allemal.

Foto: Rough Trade

Seit ihrer Gründung anno 2003 in London haben Mystery Jets bereits sechs Alben veröffentlicht, wenn man das aktuelle, „A Billion Heartbeats“ (Caroline/Universal ✮✮✮✮), mitzählt. Die erste Single „Screwdriver“ klang bereits vielversprechend; „Petty Drone“ kann diese gar noch mit einem spannenden Mix aus Starsailor, Oasis, The Beatles und einer Prise Psychedelic Rock toppen. Auch das ruhige, politisch motivierte „History Has Its Eyes On You“ überzeugt, das vom Women’s March in Washington (Januar 2017) inspiriert wurde (siehe auch das Albumcover). Zwar fällt das Album in der zweiten Hälfte etwas ab, es endet jedoch mit dem wunderschönen Track „Wrong Side Of The Tracks“, weshalb der positive Gesamteindruck überwiegt.

Foto: Universal
Foto: Indigo

Aus Dublin stammt die Girl Band, der allerdings keine Frau angehört. Ihr Zweitwerk „The Talkies“ (Rough Trade/Beggars Group/Indigo ✮✮) ist schräg, wirr und krachig. Mit „Noiserock trifft Industrial“ könnte man diese Platte übertiteln. Wenn Liars Songs von The Jesus Lizard covern würden, könnte das vielleicht genau so klingen. Sicherlich nichts für die breite Masse und nur für solche Musikliebhaber, die mit starken Nerven ausgestattet sind.