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Phonoboy und Jonas Alaska haben ihre neuen Alben veröffentlicht

Neues von Phonoboy und Jonas Alaska : Ergreifende Songschmiede mit Herz

Phonoboy und Jonas Alaska präsentieren ihre neuen, persönlichen und emotionalen Alben.

Schon die Songtitel von „Love And Let Die“ (1969ok! Records ✮✮✮✮) sind pfiffig, ja catchy: „It’s 2020“ oder „French Cowboy“, „Now I’m A Rolling Stone“… Am tollsten ist natürlich „You’re The Girl I Want To Share My Money With“ – gecovert von Laurie Anderson, nur minimal variiert. Die Themen gerieten zudem sehr persönlich, familiär mithin – „Mother“ und „Father“, auch Gott („Oh Lord“) erhalten Würdigung. Den Namen seines „Projektes“ entlieh Christian Hock seinem altehrwürdigen, allerersten Grundig-Plattenspieler Phonoboy und sein eigenes Label wurde nach dem Baujahr desselben benannt. Dermaßen hübsch durchdacht ist der Background für dieses „Projekt“ also schon mal ein grundsympathischer. Doch was wäre all das wert wenn die Musik nicht gefiele… Sie tut es, denn musikalisch gibt es eine ziemlich infizierende Wundertüte aus Folk, Indie, Pop, Electro und Americana zu bestaunen. Tom Petty’s Geist schaut mehr als einmal vorbei, auch Depeche Mode tun es punktuell, ebenso Velvet Underground („Velvet Birds“…). Ein Bossa Nova-Rhythmus würzt „When We Are Leaving“ und seiner verstorbenen französischen Mutter trauert Höck mit Bob Dylan im Herzen nach. „Love And Let Die“ ist also fürwahr ein Kessel Buntes, am Ende aber ein charismatischer, sehr vergnüglicher. Wozu auch Phonoboy’s Stimme passt, die mit spröde, Augen zwinkernd, selbstbewusst und emotional reif trefflich beschrieben ist.

Phonoboy – „Love and let die“ Foto: ubcomm
Jonas Alaska – “Roof came down“ Foto: ubcomm

Immer besser – nicht nur stimmlich – wird auch Jonas Alaska aus Norwegen. Schon „I Don’t Wanna Die“ zieht den Hörer mächtig in den Bann. Sanft geschrubbte Saiten, ein warm pulsierender Bass, feine Orgel-Schlieren, ein paar Piano-Tupfer und eine wunderbar sehnsüchtige Stimme erzeugen einen wunderbar weiten Melodiebogen. Vor Glück weinen möchte er, gesteht der frisch gebackene Vater. Das so sparsam wie behutsam ausgebreitete „Finally Free“ rückt noch näher an John Lennon heran als die Eröffnung. Als bezaubernde Mixtur aus Steely Dan und Ron Sexsmith gelingt „Joey Poiriz“. „Goodbye“ wird der Verlassenen mit einem erneut köstlich pulsierenden Bass vermittelt. Dass Alaska Jeff Tweedy und Wilco verehrt, hört man der traumhaften Ballade „I’ve Seen Heaven“ an. Und das war erst Seite 1 dieses nur auf Vinyl und digital erscheinenden Albums. Klassisch große, Herz ergreifende Songschmiede-Kunst offenbart auch Seite 2. Die warmen Orgel-Läufe von „Come Back Again“ sind magisch, auf „Paranoid Blues“ ist es die Kombination aus The XX-Minimalismus mit Dylan’schem Wortschwall. Auch Jonas Alaska richtet sich an Gott: „Oh My God“ ist ein Fanal innerer Befreiung, „Roof Came Down“ (Backseat/Soulfood ✮✮✮✮✮) ein Meisterwerk.