Nit De Nit von Partisans und El Mar De Nubes vom Tori Freestone Trio

Jazz vom Feinsten : Wenn das Saxophon in der Magengegend stochert

Partisans und das Tori Freestone Trio präsentieren Jazz, der den Horizont erweitert.

Charlie Parker wird von den Partisans frech auf ein 14-Sekunden-Intro komprimiert, David Bowie’s „John I’m Only Dancing“ wiederum auf neun aufregende Jazz-Rock-Minuten gedehnt. Alles weitere von „Nit De Nit“ (Whirlwind Recordings ✮✮✮) stammt aus der Feder des Saxophonisten Julian Siegel oder des Gitarristen Phil Robson. Vieles scheint möglich bei diesen wahrhaftigen Genre-Partisanen, die jeden erwartbaren Jazz-Horizont genüsslich um Rock-Eskapaden, Experimentalklänge und ja, auch Pop-Finesse, erweitern. Am schönsten ist das Stochern des Saxophons in der Magengegend.

Foto: UK Promotion

Auch Tori Freestone weiß um die Macht beglückend tiefer Töne eines Tenorsaxophons. „El Mar De Nubes“ (Whirlwind Recordings ✮✮✮✮) ist voll davon. Mit zwei sich konstruktiv unterordnenden Sidekicks an Kontrabass und Schlagzeug geriet ihr Werk zwar ruhiger, lyrischer, gezähmter als das der Partisans, insgesamt aber noch einnehmender… Dass die Jazzerin einst als Geigerin mit kubanischen Bands unterwegs war, hört man durchaus – beispielhaft auf der melodieseligen Karnevals-Hommage „Los Indianos“. Das abschließende „Shenandoah“ – wo die Künstlerin allein mit Geigenstrich und Stimme zu becircen weiß – deutet an, dass sie im Folk womöglich eine noch begeisterndere Heimat hätte…

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