Neue Musik von Stella Donnelly, Weyes Blood, Marissa Nadler und Beth Gibbons.

CD-Tipps : Powerfrauen auf neuen Wegen

Neue Musik von Stella Donnelly, Weyes Blood, Marissa Nadler und Beth Gibbons.

Australische Singer-Songwriterinnen sind im Kommen. Erst Courtney Barnett, dann Julia Jacklin und jetzt Stella Donnelly. Die 29-Jährige veröffentlicht mit „Beware Of The Dogs“ (Secretly Canadian/Cargo ✮✮✮✮✮) ein beeindruckendes Indiefolk-Debüt. Man könnte sie wegen ihrer Stimme und ihren Texten als die australische Antwort auf Lily Allen bezeichnen – nur ohne deren große Klappe.

"Beware Of The Dogs" ist das beeindruckende Indiefolk-Debüt von Stella Donnelly. Foto: Cargo. Foto: Cargo

Bereits im Opener „Old Man“ wird klar, auf welcher Seite sie in der #MeToo-Debatte steht: „Your personality traits don‘t count / If you put your dick in someone‘s face“. Die männliche Dominanz thematisiert sie auch in „Boys Will Be Boys“. Also Obacht: Ihre liebliche Stimme sollte nicht über die Ernsthaftigkeit manch ihrer Texte hinwegtäuschen.

„Titanic Rising“ (Sub Pop/Cargo ✮✮✮✮✮) ist das vierte Album von Natalie Mering alias Weyes Blood. Acht Jahre nach ihrem Debüt „The Outside Room“ wird ihr endlich die Aufmerksamkeit zuteil, die ihre Musik verdient hat, denn ihr schwereloser Dream Pop ist etwas Besonderes. Das liegt zum einen an Merings musikalischer Experimentierfreudigkeit sowie ihrem Faible für 70er Jahre Softrock und zum anderen an ihrer erhabenen Stimme, die wie die einer Sängerin aus eben jener Zeit klingt. Kein Wunder, sang sie früher in Gospel- und Madrigalchören. Mering selbst sagt über sich, sie nehme die Realität auf „einer langsameren, hypnotischeren Ebene wahr. Ich bin eher eine grüblerischere Songschreiberin.“ Besser kann ihre Musik nicht umschrieben werden.

Acht Jahre nach ihrem Debüt bringt Weyes Blood mit "Titanic Rising" ihr viertes Album heraus. Foto: Cargo. Foto: Cargo

Die US-amerikanische Gitarristin und Sängerin Marissa Nadler fing als Folkerin an, hat sich allerdings für ihr neuestes Album mit Stephen Brodsky zusammengetan. Der war früher Mitglied der Metalcore-Band Converge und ist bekannt von seinen Engagements bei Mutoid Man und Cave in. Dass ihr gemeinsames Album „Droneflower“ (Sacred Bones/Cargo ✮✮✮✮) heißt, ist kein Zufall. Nadler und Brodsky arbeiten mit Gitarren und Streichern und bewegen sich über 32 Minuten hinweg zwischen den Polen Dream Pop, Folk und Drone Rock (drone heißt zu deutsch: brummen, dröhnen). Ihre Kompositionen sind düster und alptraumhaft; Nadlers Stimme wurde beispielweise in „Dead West“ mit viel Hall unterlegt und so abgemischt, als hätte sie ihren Ursprung in weiter Ferne.

Für ihr neustes Album "Droneflower" hat sich die Folkerin Marissa NAdler mit dem früheren Mitglied der Metalcore-Band Converge, Stephen Brodsky, zusammengetan. Foto: Cargo
Mit „Henryk Górecki: Symphony No. 3 (Symphony Of Sorrowful Songs)“ wandelt die Sängerin Beth Gibbson auf neuen Pfaden. Foto: Domino. Foto: Domino

Portishead-Sängerin Beth Gibbons wandelt auf anderen musikalischen Pfaden. Sie hatte anno 2014 in Warschau unter der Leitung von Krzysztof Penderecki mit dem Polish National Radio Symphony Orchestra die „Symphony No. 3“ des 2010 verstorbenen polnischen Komponisten Henryk Górecki aufgeführt. Diese Aufnahmen erscheinen unter dem Titel „Henryk Górecki: Symphony No. 3 (Symphony Of Sorrowful Songs)“ (Domino/GoodToGo ✮✮✮✮) und unterstreichen, dass Gibbons‘ Stimme auch bei getragener Klassikmusik Akzente setzen kann. Sowohl der LP als auch der CD liegt eine DVD mit einem Mitschnitt der drei sich insgesamt über knapp 50 Minuten erstreckenden Stücke bei.

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