Neue Fol-Alben von Hollow Hearts, Jonah Tolchin und Michaela Anne

Folk und Country-Rock : Süße Melancholie

Hollow Hearts, Jonah Tolchin und Michaela Anne präsentieren Country-Folk vom Feinsten.

Die Americana-Wundertüte „Travelling Songs“ erhielt hier im Februar üppiges Lob. Es war der zweite Teil einer Trilogie, die mit „Annabelle“ im April 2018 hoffnungsvoll gestartet war. Mit „Annabelle und Peter“ fanden die Hollow Hearts zwei befreundete Protagonisten, die es den Norwegern wert waren, ihnen Lieder auf den Leib zu schreiben. Leider erweist sich der nun dritte und letzte, „Peter“ gewidmete, Teil dieses so ambitionierten wie sympathischen Konzeptes als schwächstes Glied im Ganzen.

„Peter“ (Westergaard Records/Soulfood ✮✮✮) wirft einen Blick aus männlicher Sicht auf diese erzählenswerte Geschichte einer recht komplizierten Freundschaft. Erneut wird nicht mit Emotion gegeizt, nicht mit feinen Harmonien, auch nicht mit Arrangier-Kunst – mit Temperament leider schon. Vielversprechende Songideen werden allzu berechenbar dargeboten. Womöglich entspricht das ja dem Verlauf dieser so persönlichen Story… Fleetwood Mac und First Aid Kit werden als Referenzen angeboten. Der Vergleich ist naheliegend, aber er hinkt: denn die Hollow Hearts haben derzeit keine Flamme im Kamin. Dass dem aber demnächst wieder so sein wird, darauf darf gewettet werden.

„Fires For The Cold“ (Yep Roc Records ✮✮✮✮) hält ein erst 26-jähriger U.S.-Songschmied für uns parat. Und es knistert reichlich auf seinem dritten Werk, welches uns zu einem ganz persönlichen Heilungsprozess einlädt: Jonah Tolchin hatte eine Scheidung zu verarbeiten. Songtitel dieses erstaunlich beseelten, kaum wütenden, sogar versöhnlichen, Albums lauten chronologisch: „The Real You“, „Turn To Ashes“, „Wash Over You“, „Day By Day“ und gipfeln in einem „Timeless River“. Ein abschließender Höhepunkt – und auch des Künstlers Lieblings-Track – „Maybe, I’m A Rolling Stone“ rundet diesen, im Blues verwurzelten, wunderbar organisch produzierten Country-Folk-Reigen famos ab.

Foto: Backseat
Foto: Yep Roc Records
Foto: Yep Roc Records

Doch es kommt noch besser. Michaela Anne wurde vom amerikanischen Rolling Stone bereits mit Linda Ronstadt und Emmylou Harris verglichen. Große Namen sind wohl förderlich, versperren aber bisweilen auch den Blick auf eigenes Charisma. Und davon hat die gebürtige Brooklynerin, als Soldaten-Tochter quer durch die USA gereiste, junge Künstlerin schon jetzt reichlich. Mittlerweile nennt sie die Hochburg der Country-Musik, Nashville, ihr Zuhause. Hier singt sie sich nun mit kristallklarer, melodieseliger Stimme durch ein Repertoire, das sich einer reichhaltigen Country-Rock-Palette bedient – und jede Menge solistische Finesse (E-Gitarre, Geige) offeriert. „Desert Dove“ (Yep Roc Records ✮✮✮✮✮) steckt voller Herzblut und wird die Seele jedes empfänglichen, süßer Melancholie nicht abgeneigten Hörers zutiefst berühren.

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