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Neil Young legt mit „Homegrown“ ein sehr persönliches Album vor

Neues von Neil Young : Potenzieller Kandidat zum Jahreshighlight

✮✮✮✮✮✮ Neil Young hat sein sehr persönliches Album „Homegrown“ veröffentlicht.

Jeder seiner ergebenen Fans weiß: Neil Young hat noch viel vor. Aus seinen Archiven sprudelt unaufhörlich Verschollenes. „Homegrown“ (Warner ✮✮✮✮✮✮) galt seit Ewigkeiten als das womöglich bestgehütetste Geheimnis des Magiers — und errang dadurch lange vor dieser „leicht“ verspäteten Veröffentlichung Kult-Status. Eingespielt hat es Neil Young vor 46 Jahren – direkt nach dem dunklen Meisterwerk „On The Beach“. Es blieb liegen, denn ihm waren diese Lieder zu persönlich, zu sehr dem Schmerz um das Ende der Beziehung zu der Schauspielerin Carrie Snodgress abgerungen. Young gab damals dem rockenden „Tonight’s The Night“ den Vorzug. Nun denn, es war die kreativste Phase des Begnadeten.

Natürlich ist „Homegrown“ nicht weniger als das erwartete Meisterwerk. Einige der zwölf Songs durften in teils deutlich abweichenden Versionen andere Alben verzieren, manches wiederum fand nicht auf Studio-Alben, indes gelegentlich ins Live-Repertoire. Es gibt aber auch gänzlich Unerhörtes zu entdecken!

Packen wir’s an: „Separate Ways“ steht mit seiner feisten Bass-Linie (Tim Drummond!) und seiner schluchzenden Steel Guitar (Ben Keith!) in der Tradition des „Harvest“-„Gassenhauers“ „Old Man“ und ist unüberhörbar ein Trennungslied. Viel Schmerz schwingt hier mit. Das Mundharmonika-Solo am Ende ist pure Sehnsucht. Man versteht des Meisters Beweggründe so etwas Intimes erst einmal beiseite zu legen… Das famose „Try“ wird von Emmylou Harris’ Duett-Stimme geadelt. Für den kurzen Fluchtversuch „Mexico“ setzte sich Young ans Klavier. Zeilen wie „Ooh, the feeling’s gone / Why ist it so hard to hang on / to your love?“ sprechen Bände. „Love Is A Rose“ addiert sich schon beim Erstkontakt mühelos zu den geliebten klassischen Gitarren/Mundharmonika-Balladen.

Das beschwipste Marihuana-Tribute „Homegrown“ kennt man von „American Stars’N Bars“. Das schräge Spoken Word-Statement „Florida“ (über ein Flugzeugunglück!) ist unvertraut – und neben dem Blues-Stampfer „We Don’t Smoke It No More“ als einziges hier verzichtbar. „Kansas“ erweist sich als zartes Juwel. Die Rechnung ist - wie so oft - ganz einfach: Gesang, sechs Saiten plus Mundharmonika = maximale Magie. „White Line“ überrascht als akustische Auslegung der vertrauten „Ragged Glory“-Version.

Neil Young - Homegrown Foto: Label

Das unveröffentlichte „Vacancy“ wiederum hätte als entfesselter Rock-Überflug perfekt auf jenes Werk gepasst. Sehr nah an das „Hawks & Doves“-Original heran reicht das süße „Little Wing“, den krönenden Abschluss dieser „Platte, die entkam“ (Wortlaut Young) bildet „Star Of Bethlehem“ – wie einst auf „American Stars’N’Bars“ mit Emmylou Harris innigst zelebriert. Ob „Homegrown“ für die Jahresbestenliste legitim ist, muss noch erörtert werden.