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Nach mehrjähriger Pause sind Trail of Dead mit neuer Platte wieder da.

Kirk Windstein und Trail of Dead : Songs voller Energie und Überraschungen

✮✮✮✮ Kirk Windstein bewegt sich auf Solopfaden und ✮✮✮✮✮ Trail of Dead präsentieren sich energiegeladen.

Mit 54 Jahren hat Kirk Windstein Mitte Januar sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Der Frontmann der Sludge-Doom-Band Crowbar und das Gründungsmitglied der All-Star-Doom-Band Down entfernt sich auf „Dream In Motion“ (eOne/SPV ✮✮✮✮) nicht weit von seinem bisherigen musikalischen Oeuvre, einige Songs klingen anders.

 tr musik Kirk Windstein Dream In Motion cover
tr musik Kirk Windstein Dream In Motion cover Foto: eOne/SPV

„Es ist eine andere Seite meines Songwritings, meiner Persönlichkeit. Ich habe es für mich selbst getan. Und es ist auch nicht so, dass es nicht heavy ist. Aber selbst das härteste Riff des Albums konnte ich so nicht bei Crowbar verwenden. Wenn es einigen Crowbar-Fans nicht gefällt, verstehe ich das. Aber ich hoffe, die Leute mögen es“, sagt Windstein.

Für sein Solodebüt, das in über zwei Jahren entstand, legte er Wert auf atmosphärische Songs. Seine Stimme klingt erstaunlich melodisch und ist nicht so tief und rau wie bei Crowbar. Dennoch ist sie sofort zu identifizieren. Das ist eine ebenso positive Überraschung wie das interessante Jethro Tull-Cover „Aqualung“. Die negative ist, dass es den Songs nicht immer gelingt, im Ohr hängen zu ­bleiben.

 Tr musik Trail of Dead X the godless void and other stories cover
Tr musik Trail of Dead X the godless void and other stories cover Foto: Inside Out/Sony Music

Dieses Problem haben die Texaner ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead, kurz Trail Of Dead genannt, nicht. Ihr letztes Studioalbum erschien 2014 („IX“). Zwischenzeitlich lebte Conrad Keely, einer der Köpfe der Band, fünf Jahre in Kambodscha. Anfang 2018 kehrte er zu Jason Reece nach Texas, zurück und sie schrieben „X: The Godless Void And Other Stories“ (Inside Out/Sony Music ✮✮✮✮✮).

Nach einem erstaunlich melancholischen Beginn – auf dem Album geht es laut Keely und Reece um ein abstraktes Gefühl von Verlust, genauer gesagt um „das Gewicht, das den Geist plagt“ – finden sie spätestens mit „Into The Godless Void“ wieder ganz zu sich und explodieren förmlich. Da ist sie wieder: die unbändige Energie dieser Ausnahmeband, die in der Vergangenheit mit ihrem wuchtigen Sound ihre Hörer auch live weggeblasen hat und auf der Bühne einige Schlagzeuge und Gitarren zertrümmerte.

In verschiedenen Presseartikeln war zu lesen, Trail Of Dead würden auf dem neuen Album „X“ so wie zu ihren Anfangszeiten klingen. Das ist Mumpitz. Die schiere Gewalt, mit der sie auf dem wahnsinnigen Meisterwerk „Madonna“ (1999) auf die Menschheit losgingen, die konnten (oder wollten?) sie nicht wieder einfangen. Die Produktion von „X“ ist nicht annähernd so ungeschliffen, der Gesang weniger aggressiv und die Kompositionen softer und teils mit Elektronik angereichert. Für ein spannendes, energiegeladenes Alternative Rock-Album hat es trotzdem locker gereicht.