Musik-Projekt UNKLE veröffentlicht das Album „The Road: Part II/Lost Highway“

CD-Tipp : Neues von einem, der Wände erklimmt

✮✮✮✮ „The Road: Part II/Lost Highway“ von UNKLE: Grandiose stilistische Vielfalt.

Im August 2017 veröffentlichte James Lavelle mit seinem Electro/TripHop-Projekt UNKLE das Album „The Road: Part I“. Es war sein bis dahin fünftes. Ende März ließ er den zweiten von drei geplanten Teilen folgen: „The Road: Part II / Lost Highway“ (Songs For The Deaf/Orchard/Membran). Dieser erstreckt sich über zwei CDs mit jeweils elf Songs.

So sieht das Cover des neuen UNKLE-Albums aus. Foto: Song for the Deaf

Das Albumkonzept lehnt sich an seine Radioshow beim Sender „Soho Radio“ an. Im Rahmen derer wollte er mit seiner Songauswahl die Leute nicht im Nachtclub zum Tanzen bewegen. Er wollte aber für einen frischen Wind sorgen und einen eklektischen Mix präsentieren. Das war auch die Vorgabe für „The Road: Part II / Lost Highway“, an dem eine Vielzahl an Gästen mitgewirkt hat: beispielsweise Mick Jones (Ex-The Clash), Editors-Frontmann Tom Smith, Ian Astbury (The Cult), Liela Moss (The Duke Spirit), der frühere Screamin-Trees-Sänger Mark Lanegan, Jon Theodore, Troy Van Leeuwen (beide von Queens Of The Stone Age), Kyuss/QOTSA-Produzent Chris Goss, Singer-Songwriter Keaton Henson, Tessa Angus (arbeitet mit Brian Eno zusammen), der schottische Schauspieler Brian Cox (bekannt als der CIA-Mitarbeiter Ward Abbott aus der Jason Bourne-Filmreihe), Stanley Kubrick-Witwe Christiana Kubrick und zwei Londoner Newcomer: der Sänger und Produzent Miink und der Rapper Elliott Power.

Wegen der verschiedenen Sängerinnen und Sänger, der Spoken Word-Fragmente zwischen den Songs, der stilistischen Vielfalt an sich und der unterschiedlichen Stimmungen der Songs – das Spektrum reicht vom treibenden, fast rockigen „Nothing To Give“ (mit Miink, Theodore und Power) über das Rock-Trance-Stück „Crucifixion/A Prophet“ (unter anderem mit Astbury, Smith und Goss) und den experimentellen Song „Kubrick“ (mit Jones) bis hin zu den melancholischen Glanztaten „Only You“ (mit Miink und Will Malone), „Sun (The)“ (mit Moss) und „Reprise“ (mit Dhani Harrison) und dem düsteren Dancepop in „Touch Me“ (mit Moss) – hat „The Road: Part II / Lost Highway“ tatsächlich viel von einer Radioshow. Dazu erklärt Lavelle: „Meine Arbeiten hatten schon immer eine eklektische Essenz und waren in ihrer Struktur immer von Soundtracks beeinflusst. Wenn man sich meinen gesamten Katalog anschaut, entdeckt man eine Kontinuität zwischen der Bewegung und dem Streben der Klänge. Idealerweise kollagierst und sampelst du fortwährend die Elemente, die gerade für dich in dem Moment, wo du etwas Neues erschaffst, relevant sind. Heute gibt es viel mehr Freiheiten. Als ich anfing, Musik zu machen, waren die Wände zwischen den Genres viel schwerer zu erklimmen. Heute sind wir alle wesentlich offener.“

Genau das spiegelt „The Road: Part II / Lost Highway“ wider. Das einzige Manko des Doppelalbums ist, dass die zweite Hälfte nicht an die erste herankommt.

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